„Mit dem Hermann zu verreisen, da hätte ich richtig Angst davor“, erklärte Moderator Lutz Henselmann zur abenteuerlichen Anreise des Dokumentarfilmers Hermann Schlenker bei seiner Expedition zu den thailändischen Bergvölkern. Im Rahmen einer Vortragsreihe im Forum am Bahnhof präsentierten die beiden vor vielen interessierten Zuschauern Film- und Fotomaterial der fünfmonatigen Reise.

1964 machte sich Hermann Schlenker im Auftrag des wissenschaftlichen Institutes Göttingen mit drei Ethnologen auf den Weg ins thailändische Hochland, an die Grenze zu Burma und Laos. Im Goldenen Dreieck der Opiumherstellung filmte er die mühsame Arbeit an den Steilhängen. Dort wuchs nicht nur der Schlafmohn als Rohstofflieferant, dazwischen gedieh das Gemüse. Fast ein wenig absurd erscheint die Szene, als nach dem Abschaben der getrockneten Mohnmilch, des Opiums, noch ein Kohlkopf im Sammelkorb für das Abendessen landet.

Solche Szenen sind es, die das Foto- und Filmmaterial von Hermann Schlenker ausmachen. Er ist ganz nah bei den Menschen, lässt sich auf ihre Kultur ein und sammelt Eindrücke. „Ich genoss es, der Boss zu sein“, erklärte er hinsichtlich seiner ethnologischen Fachbegleitung. Die drei Herren sahen sehr schnell ein, dass sie ohne den Dokumentarfilmer wenig Vorzeigbares erreichen konnten.

Hermann Schlenkers Aufnahmen dokumentieren den Alltag und die Rituale verschiedener Bergvölker. Die Besucher erhielten einen Überblick über Handwerkskunst, Landwirtschaft, das autarke Leben und die Ethik der verschiedenen Völker. „Die Geister spielen eine große Rolle bei den Leuten“, erinnert sich Hermann Schlenker. Als ein Junge den Kopfstand Schlenkers nachmachte, beklagte dessen Mutter, dass dabei sein Geist aus ihm heraus gefallen sei. Dank einer gespendeten Henne war der Schamane fähig, den Geist in den Jungen zurückzuführen.

Den Vortragsgästen wurde deutlich vor Augen geführt, dass Hermann Schlenker eine Kultur festgehalten hat, die es so nicht mehr gibt. Hermann Schlenker und Lutz Henselmann dankten abschließend den beiden FAB-Technikern Matthias Assauer und Heiner Stutz, die das Film- und Fotomaterial für den Vortragsabend gesichtet und aufbereitet hatten.


Zur Person

Hermann Schlenker, gebürtiger Schwenninger, absolvierte nach dem Abitur eine Feinmechaniker- und Uhrmacherlehre. Seinem Traumberuf Kameramann näherte er sich mit einer Fotografenausbildung in Stuttgart. Von 1958 bis 1997 besuchte er über 75 Länder und drehte dort für nationale und internationale Auftraggeber in Forschung und Wissenschaft sowie für das Fernsehen ethnische Dokumentationen. Weltweit erwarb er sich den respektvollen Beinamen „Ethnograph mit der Kamera“. (rib)