Die Landwirtin Erika Obergfell beobachtet seit Längerem, dass immer mehr Füchse auf ihrem Grundstück auftauchen. Bislang waren ihr die wilden Tiere zwar ein Dorn im Auge, weil sie regelmäßig Verwüstung im Hühnergehege anrichteten, doch nun reicht es der Brigacherin endgültig: Vor 14 Tagen hat ein Fuchs ihre geliebte Gans auf dem Bauernhof fast getötet.

Es war ein Freitag, kurz vor 17 Uhr. Noch ist alles ruhig auf dem Bauernhof von Erika Obergfell. Plötzlich schlägt eine Gans wie wild mit den Flügeln. Obergfells Schwiegermutter ist gerade auf dem Hof unterwegs und beobachtet das Geschehen: Ein Fuchs hat es auf die Gans abgesehen und verbeißt sich in dem Bein des Tieres. Im Gerangel fallen beide in eine Senke neben einem kleinen Weiher. Großes Glück für die Gans, denn so schaffte es der Fuchs nicht, seine Beute wegzutragen.

Bauern fühlen sich im Stich gelassen

"Bis vor kurzem wussten wir nicht ob sie es schafft", erzählt Erika Obergfell besorgt, während sie mit betrübter Miene in den Käfig der Gänse blickt. Vor wenigen Tagen gab die Tierärztin Entwarnung. Ihre Gans wird den Angriff wohl überleben. Seit drei Jahren beobachtet die Bäuerin, wie die Fuchspopulation in ihrer Region unaufhaltsam zunimmt. "Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Ich kann nicht verstehen, warum sich das nicht ändert", sagt Obergfell. Ihrer Meinung nach werden wilde Tiere zu sehr geschützt. Bauern hingegen werden dann im Stich gelassen, wenn zu viele Wildtiere herumlaufen und sich an den Hühnern, Enten oder Gänsen bedienen. Ihre Bekannten, ebenfalls in der Landwirtschaft tätig, könnten bestätigen, dass es derzeit zu viele Füchse gibt, die in Gehege einbrechen. "Dadurch fällt teilweise ein Viertel meines Umsatzes weg", sagt Obergfell besorgt.

Dass die Fuchspopulation stark zugenommen hat, kann Cornelia Rettich vom Tierschutzverein St. Georgen aus eigener Erfahrungen bestätigen. Mehrmals wurden ihre Hasen von Füchsen gerissen. Nicht etwa freilaufend auf dem Land. Rettich wohnt am Bärenplatz, also in der Innenstadt von St. Georgen und hält ihre Hasen in einem Stall. "Die Füchse verlieren die Scheu und kommen mittlerweile in die Stadt. Ich sehe fast jeden Abend einen Fuchs herumlaufen", sagt sie.

Den massiven Anstieg an Füchsen in der Region kann Adolf Maier, Hegeringleiter in St. Georgen, nicht bestätigen. „Im Vergleich zu 2017 sind es wenige mehr, die wir hier beobachten“, sagt er. Dieses Jahr hat Maier und seine Jägerkollegen viele Tiere geschossen. In der letzten sogenannten Fuchswoche, in der die Männer in grün sich eine Woche auf die Lauer legen, um Füchse vor die Flinte zu bekommen, hatten sie eine gute Ausbeute. Während der Aufzuchtszeit dürfen Füchse, die Junge haben, nicht getötet werden, berichtet Maier. Das mache auch Sinn, denn ohne ihre Eltern hätten die Jungtiere in der Wildnis keine Chance zu überleben. Damit die Gefahr kleiner wird, weitere geliebte Haustiere durch jagende Füchse zu verlieren, könnte Maier Fallen aufstellen. "Heute dürfen keine Fallen mehr gelegt werden, die Tiere töten. Es müssten dann Lebendfallen sein", sagt er. Diese Lebendfallen seien jedoch sehr zeit- und arbeitsintensiv, weil sie täglich geprüft werden müssen.

Füchse sind derzeit sehr aktiv

Dass Erika Obergfell derzeit das Gefühl hat, immer mehr Füchse zu beobachten, kann sich Adolf Maier trotzdem erklären: Zwischen Ende März und Mitte Mai bringen Füchse ihre Jungen üblicherweise zur Welt. Weil die Welpen Nahrung benötigen, gehen die Füchse für ihre Jungen verstärkt auf die Jagd. „Sie sind aktiver und müssen Futter beschaffen“, sagt Maier und ergänzt: „Dabei kennen sie häufig keine Scheu“ und machen auch vor Hühnern oder Gänsen keinen Halt. Und das zum Unmut von Erika Obergfell. Ihre Gans ist dem Tod noch einmal knapp von der Schippe gesprungen. In Zukunft wird Obergfell wohl noch besser auf ihre Tiere Acht geben.