Was kann aus einem werden, der seinen Lehrerberuf an den Nagel hängt und seinen sicheren Beamtenstatus aufgibt, um sich stattdessen mit Haut und Haaren der „brotlosen“ Kunst zu widmen? Im besten Falle ein hervorragender deutschsprechender Humorist und Poetryslammer. Denn das ist Nektarios Vlachopoulos zweifellos, wie ihm zahlreiche Kabarett- und Kleinkunstpreise attestieren. Bei seinem Gastspiel im Theater im Deutschen Haus lieferte Vlachopoulos ein Paradebeispiel deutscher Sprachkultur, gepaart mit Comedy und verpackt in teilweise abstrusen Geschichten.

Besucherin Bianca geht Nektarios Vlachopoulos sprachlich zur Hand, als er in einer Geschichte aufzeigt, was Menschen sagen und was sie dabei denken.
Besucherin Bianca geht Nektarios Vlachopoulos sprachlich zur Hand, als er in einer Geschichte aufzeigt, was Menschen sagen und was sie dabei denken. | Bild: Sprich, Roland

Es sind Alltagsgeschichten, die Nektarios Vlachopoulos in seinem Programm „Niemand weiß, wie man mich schreibt“ in seinen Poetryslams verarbeitet. Von der Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen, die ihn bereits in seiner eigenen Schulzeit begleitet haben, als es um die Frage Pelikan oder Lamy ging, bis zur Qual der Wahl des richtigen Toilettenpapiers, die ihn im Supermarkt regelmäßig überfordert. Und das ihm mit lautstarker Zustimmung des Publikums ein klares „Jein“ abverlangt.

Hätte Nektarios Vlachopoulos nicht Deutsch auf Lehramt studiert und wäre er nicht Lehrer geworden, wäre „den 80 besten Zuhörern von St. Georgen“ ein Einblick in die Klassenzimmer von heute verwehrt geblieben. So aber konnte er Erfahrungen von seinem früheren Arbeitsplatz in sein Programm einbauen, was wiederum für Lachsalven in den Zuschauerreihen sorgte und Erinnerungen an die eigene Schulzeit weckte. Denn augenscheinlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert, wenn Schüler ihr Lesebuch vergessen haben oder fünf Minuten vor Ende der Schulstunde dringend „groß“ mussten.

Nektarios Vlachopoulos stilisiert wahre Begebenheiten zu absurden Geschichten. Dabei achtet der ehemalige Deutschlehrer auf sprachliche Korrektheit. Bilder: Roland Sprich
Nektarios Vlachopoulos stilisiert wahre Begebenheiten zu absurden Geschichten. Dabei achtet der ehemalige Deutschlehrer auf sprachliche Korrektheit. Bilder: Roland Sprich | Bild: Sprich, Roland

Viel Stoff für witzige Geschichten lieferte auch seine Herkunft. Als „Deutscher mit griechischem Integrationshintergrund“ werde er häufig für seine tadellose deutsche Sprache gelobt. „Ich habe Germanistik studiert, da ist so einiges hängen geblieben“, gebe er hier nur noch lapidar zur Antwort. Nektarios Vlachopoulos hatte aber auch eine politische Botschaft. So schreibe er „jedem, der Deutsch als Zweisprache erlerne, mehr Leistung zu als jemandem, der sie sich als Kind aneignet.“

Während andere Künstler das Niveau im Laufe ihres Programms eher steigern, geht Nektarios Vlachopoulos den umgekehrten Weg. So war der zweite Teil eher geprägt von Themen unter der Gürtellinie und Flachwitzen, die immerhin angesichts der verwendeten Sprachrhetorik verschmerzbar waren. Insgesamt ein heiterer Abend auf sprachlich ganz hohem Niveau.