Die Bergstadt gehört zu den Kommunen im Land, die besonders durch Verkehrslärm belastet sind. Die Hauptursache hierfür sind die Bundesstraße 33, die Landesstraße 175 nach Brigach und die Schwarzwaldbahn.

Die EU schreibt seit 2005 vor, dass Gemeinden, die besonders stark von Verkehrslärm betroffen sind, verpflichtet sind, einen sogenannten Lärmaktionsplan aufzustellen. Damit sollen die Geräuschimmissionen in der Umwelt reguliert werden. Die Umgebungslärmrichtlinie befasst sich mit den Geräuschen des Straßen-, Schienen- und Flugverkehrs. Dafür werden Lärmkarten durch das Landesamt für Umwelt erstellt, die auf die Probleme hinweisen.

Entwurf liegt seit 2015 vor

Schon im Januar 2014 hatte der Gemeinderat ein Augsburger Ingenieurbüro beauftragt, eine Lärmkartierung und eine anschließende Lärmaktionsplanung für die Bergstadt zu erstellen. Seit Mai 2015 liegt der Entwurf vor, passiert ist bislang allerdings nichts.

Bahnstrecke, B 33, Landesstraße: Diese Karte von St. Georgen zeigt den gemittelten Lärmpegel an. Die roten Bereiche sind einer Belastung von 50 Dezibel und mehr ausgesetzt. Der gelbe Bereich umfasst den Großteil der Kernstadt und ist mit 45 bis 50 Dezibel belastet. Zum Vergleich: 50 Dezibel entsprechen einem Fernseher bei Zimmerlautstärke.
Bahnstrecke, B 33, Landesstraße: Diese Karte von St. Georgen zeigt den gemittelten Lärmpegel an. Die roten Bereiche sind einer Belastung von 50 Dezibel und mehr ausgesetzt. Der gelbe Bereich umfasst den Großteil der Kernstadt und ist mit 45 bis 50 Dezibel belastet. Zum Vergleich: 50 Dezibel entsprechen einem Fernseher bei Zimmerlautstärke. | Bild: Kevin Rodgers

Ebenfalls vor vier Jahren gab es zwei Bürgerveranstaltungen, die die St. Georgener über die Ergebnisse informiert haben. Anschließend konnten die Bürger Anregungen vorbringen. Der Rücklauf war damals allerdings sehr überschaubar, wie Stadtbaumeister Alexander Tröndle in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch erklärte.

Vier Maßnahmen angenommen

Dennoch wurden sechs Maßnahmen für weniger Lärm ersonnen, die dem Gemeinderat am Mittwoch vorgelegt wurden und über die einzeln abgestimmt wurde. Vier Maßnahmen wurden angenommen, zwei abgelehnt.

Angenommen wurde die Empfehlung der Stadtverwaltung, eine Verkehrsberuhigung durch Straßenraumgestaltung zu erreichen. Dazu zählt zum Beispiel mehr Grün an und auf den Straßen durch die Pflanzung von Hecken, Bäumen und Sträuchern. Angenommen wurde außerdem die Empfehlung, mehr elektronische Geschwindigkeitsanzeigen aufzustellen. Die Geräte, die knapp 2000 Euro kosten, seien flexibel und mit wenigen Kosten verbunden. Der dritte angenommene Punkt ist eine 2,8 Kilometer lange und drei Meter hohe Schallschutzwand entlang der Bahnstrecke.

Umsetzung steht in den Sternen

Allerdings ist für den Bau und die Finanzierung nicht die Stadt, sondern die Deutsche Bahn zuständig. Geprüft werden soll außerdem Tempo 30 auf der B 33 zwischen dem östlichen Ortseingang und der Mühlstraße in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr morgens. Das hätte aus medizinischer Sicht den größten Nutzen für die Anlieger, weil Lärm in der Nacht Stress bedeute, erklärte Oliver Freischlader.

Nicht angenommen wurde ein Tempolimit von 50 km/h auf der B 33 zwischen dem Baustoffhandel Stark und dem Storzenberg. Als unrealistisch zurückgewiesen wurden außerdem vier Meter hohe Lärmschutzwände, sogenannte Galerien, entlang der B 33 zwischen Bahnhof- und Mühlstraße.

B 33 am Storzenberg: Die Stadtverwaltung empfiehlt in diesem Bereich Tempo 50. Der Gemeinderat lehnte den Plan ab.
B 33 am Storzenberg: Die Stadtverwaltung empfiehlt in diesem Bereich Tempo 50. Der Gemeinderat lehnte den Plan ab. | Bild: Rodgers, Kevin

Ob die angenommenen Lärmschutzprojekte jemals umgesetzt werden, ist allerdings noch unklar. Stadtbaumeister Tröndle erklärte den Stadträten, dass die Pläne nicht verpflichtend seien. Zunächst müssen ein halbes Dutzend Stellungnahmen von Behörden eingeholt werden, darunter das Regierungspräsidium, das Landratsamt, das Polizeipräsidium, die IHK und die Deutsche Bahn.