Spätestens, wenn es ums Erben geht, kommt in vielen Fällen der wahre, habgierige Charakter der Hinterbliebenen zum Vorschein. So die Intention hinter der schwarzen Komödie "Leben sie noch, oder erben wir schon?", die die Oberstufen-Theater-AG des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums am Wochenende im Theater im Deutschen Haus zeigte. Mit dem Stück "Leben sie noch oder erben wir schon?", wurden sämtliche Klischees bedient, die im Falle eines zu erwartenden Erbes auftauchen können.

Wie kam der geheimisvolle Magier zu Tode und wer hat ihn umgebracht? Polizist Hugo Taschenbuch (Yannick Schaedler, links) muss den Fall lösen. Die versammelte Verwandtschaft um Lord Horst gibt sich ahnungslos. Bilder: Roland Sprich
Wie kam der geheimisvolle Magier zu Tode und wer hat ihn umgebracht? Polizist Hugo Taschenbuch (Yannick Schaedler, links) muss den Fall lösen. Die versammelte Verwandtschaft um Lord Horst gibt sich ahnungslos. | Bild: Sprich, Roland

Dass sich sämtliche klischeebehafteten Charaktere konzentriert in der Sippschaft eines einzigen potenziellen Erblassers des bayrischen Landadels tummeln, das kann Lord Horst von Maier nun wirklich nicht ahnen, als er die liebe Verwandtschaft per Brief über seine bevorstehende Verlobung informiert. Statt sich mit dem betagten Herrn für dessen späten Frühling zu freuen, sieht die raffgierige Verwandtschaft in der Jahrzehnte jüngeren Liebschaft eine ernste Gefahr für das erhoffte bald bevorstehende Erbe. Und so eint die Sippe der Gedanke, sowohl Lord Horst als auch seine jugendliche Liebe Chantal aus dem Weg zu räumen.

Zack. Mit vereinten Kräften meuchelt die habgieriege Sippschaft den geheimnisvollen Magier, der den Mordabsichten der durchtriebenen Gesellschaft auf die Spur gekommen war. Bild: Roland Sprich
Zack. Mit vereinten Kräften meuchelt die habgieriege Sippschaft den geheimnisvollen Magier, der den Mordabsichten der durchtriebenen Gesellschaft auf die Spur gekommen war. | Bild: Sprich, Roland

Nachdem die Unterstufe des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums vor einer Woche mit Pippi Langstrumpf ein Theaterstück erfolgreich auf die Bühne des Theater im Deutschen Haus gebracht hat, legte die Oberstufe nach. Nach der eingehenden Vorstellung der Charaktere, vom Pantoffelheld mit fieser Gattin und verwöhnten Töchtern über Emanze, graue Maus, einer Professorin mit Töchterchen, die ihrer Neigung zur Morbidität ungehemmten Lauf lässt, bis zum aus der Irrenanstalt ausgebüxten Psychopathen und einem Barbesitzer, der, um sein Image zu bewahren, in seiner Rolle als italienischer Gigolo aufgeht, nahm das Stück richtig Fahrt auf.

Zack. Mit vereinten Kräften meuchelt die habgieriege Sippschaft den geheimnisvollen Magier, der den Mordabsichten der durchtriebenen Gesellschaft auf die Spur gekommen war. Bild: Roland Sprich
Zack. Mit vereinten Kräften meuchelt die habgieriege Sippschaft den geheimnisvollen Magier, der den Mordabsichten der durchtriebenen Gesellschaft auf die Spur gekommen war. | Bild: Sprich, Roland

Die Darsteller verkörperten ihre skurrilen Figuren mit großer Authentizität. Da wirkte nichts aufgesetzt, selbst Transvestit "die Dirk" blühte in seiner Rolle auf und sorgte für die Lacher. Dass am Ende tatsächlich jemand ermordet wird, wie ausgerechnet die graue Maus ihr Liebesglück mit einem Polizisten findet und wie Lord Horst und seine Chantal den Erbschleichern ein Schnippchen schlagen, amüsierte das Publikum in den beiden Vorstellungen auf das Herzlichste.

Mit Jazz im Theaterkeller verabschiedet sich das Theater im Deutschen Haus am Samstag, 14. Juli, in die Sommerpause. Ab 21 Uhr spielt die Projektband Meantime, die mit verschiedenen Musikgenres experimentieren und so zu neuen Klangergebnissen kommen. Der Eintritt ist frei.