Am Bahnhof St. Georgen sind sie immer wieder zu beobachten: Menschen, die ungläubig vor dem Fahrscheinautomaten stehen und erst einmal leer schlucken. Der Preis von 5,20 Euro für die achtminütige Fahrt nach Villingen lässt viele an ein Irrtum glauben, aber sie haben sich weder vertippt noch sonst etwas falsch gemacht. Und ab dem 1. August wird das Staunen noch größer, denn dann steigen die Preise noch einmal um weitere zehn Cent pro Fahrt, wie der Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar jetzt mitteilte.

Eine teure Durchfahrt

Der Grund für die vergleichsweise hohen Preise für die rund 15 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Villingen und der Bergstadt liegt in der Zone 3, die Königsfeld und die umliegenden Ortschaften umfasst. Wie ein Keil drängt sie sich bei Mönchweiler zwischen den Zonen 2 und 4 über die Bahngleise.

Die Schwarzwaldbahn hält dort zwar nicht, und hinter der Bahnstrecke gibt es auch keine Bushaltestellen mehr, aber statt 3,50 Euro kostet die Fahrt wegen der zusätzlichen Zone 1,70 Euro mehr. „Diese Zonengestaltung ist etwas für höhere Geister – verstehen kann man das nicht“, sagt auch Albert Huber, einer der Vorsitzenden der BUND-Ortsgruppe Königsfeld-St. Georgen.

So kostet etwa die fast gleich lange Strecke von Villingen nach Trossingen für einen Erwachsenen nur 2,30 Euro, weil sie komplett in der Zone 4 liegt. Für Huber wäre daher eine Änderung des Zonenplans in konzentrische Kreise von Villingen ausgehend logischer, ähnlich wie es in Stuttgart bereits der Fall sei. Denn die abenteuerliche Ausgestaltung der Zonen geht im Süden noch weiter: Dort quetscht sich Zone 7 zwischen Villingen und Donaueschingen, sodass auch da die teurere Preisstufe 3 greift.

Kein Vertrauen in den Rufbus

Axel Maier, sein Vorstandskollege von der BUND-Ortsgruppe, kritisiert außerdem die Fahrtzeiten in den Abendstunden. „Wenn man abends mal nach Villingen in die Kneipe geht, muss man auch wieder nach Hause kommen.“ Beim Rufbus, der nach 22.15 Uhr fährt, sei es nämlich keineswegs gewiss, dass man noch einen Platz bekomme, wie er aus eigener Erfahrung berichtet. Auch er habe es schon erlebt, dass der Bus komplett besetzt gewesen sei, obwohl sich alle Fahrgäste vorher angemeldet hätten. „Danach habe ich mir selbst eine Mitfahrgelegenheit besorgt“, so Maier.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Schritt in die richtige Richtung sei hingegen der Versuch, den Donaueschingen jetzt wiederbelebt. Für die drei Buslinien DS1, DS2 und DS3 wird es ab August das Donau-City-Ticket für 1,50 pro Person geben. Ein ähnliches Projekt hatte es schon einmal 2017 gegeben, da wurde es allerdings nach einjähriger Testphase wieder beerdigt, weil der Gemeinderat die Subventionen nicht verlängert hatte. Jetzt versucht es die städtische Verkehrsgesellschaft Bregtal noch einmal auf eigenes Risiko.

Andere Städte sind schon weiter

Solche Modelle, wie es sie etwa in Radolfzell am Bodensee schon länger gibt, befürworten die beiden. „Wenn man aber die Verkehrsverbünde darauf hinweist“, beklagt Maier, „hat man den Eindruck, dass man sich nicht auf solche Versuche einlassen will“.