Ein vorgezogenes Ostergeschenk legten die Macher des Theaters im Deutschen Haus den Besuchern ins Nest. Kabarettist Thomas Schreckenberger holte mit seinem Programm "Hirn für alle" zum verbalen Rundumschlag auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus. Und das mit jeder Menge Hirn und tiefgründigem Humor, der zum eigenen Nachdenken anregte.

Steilvorlagen aus jeder Ecke

Kabarettisten haben in diesen Zeiten leichtes Spiel. Politiker, Wirtschaftsbosse und Vereinsfunktionäre liefern praktisch im Minutentakt Steilvorlagen für hintergründige Pointen oder zumindest für flache Gags. Brexit, Dieselskandal und die Frisuren und geistigen Ergüsse von Weltmachtführern bieten genügend Zündstoff. Die Kunst ist, daraus ein anspruchsvolles Kabarettprogramm zu stricken und die Tatsachen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Bilder im Kopf – und das Publikum ist der Dumme

Hier ist Thomas Schreckenberger einer der ganz Großen auf seinem Gebiet. Er erzeugt Bilder in den Köpfen des Publikums und entschuldigt sich mit süffisantem Lächeln; "Damit müssen Sie jetzt klarkommen." Im Laufe des Abends kommen sie alle dran. Allen voran das bundespolitische Kabinett um Kanzlerin Merkel. Dabei geht Schreckenberger keineswegs zimperlich vor. Da wird Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schon mal als "Enddarmfurunkel der Autoindustrie" bezeichnet. Und der amerikanische Präsident Trump und sein nordkoreanisches Pendant Kim Jong Un als moderne Version von Piggeldy und Frederic.

Granaten statt Kreide

Auch das Bildungs- und das Gesundheitssystem werden von Schreckenberger scharfzüngig seziert: "Früher haben Lehrer mit Kreide geworfen, dann war wieder Ruhe. Heute bräuchten sie Granaten." Auch einen Ansatz, um die zahlreichen Vermisstenfälle in Deutschland aufzuklären, hatte der Kabarettist parat. "Man muss nur mal in die Wartezimmer der Ärzte schauen, dann würden sich viele Vermisstenfälle wahrscheinlich aufklären."

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Das Publikum schwankte zwischendurch immer mal zwischen draufloslachen und zurückhaltendem Schmunzeln, weil seine Äußerungen nicht immer der politischen Korrektheit entsprechen. Sei's drum: Das ist Kabarett, das muss die Gesellschaft aushalten.

Gespickt waren die Ausführungen mit maßvoll eingesetzten Stimmenimitationen und einer ebenso genialen wie erschreckenden Parodie, die zeigt, was passieren würde, wenn der Geist der hochcholerischen Filmlegende Klaus Kinski in Kanzlerin Merkel fahren würde. So viel sei verraten: Man möchte es sich nicht vorstellen.