Zum elften Mal geht in St. Georgen das musikalische Festival Bergstadtsommer sprichwörtlich über die Bühne. Am Samstag verlagerte das Dönneweg-Quartett und ihr Pianist Frank Dupree den Veranstaltungsort allerdings vor die Bühne der Stadthalle, was sowohl dem Klang eines Kammerorchesters als auch der Optik gut tat. Einen Beitrag dazu leistete ebenso der gut ausgeleuchtete Hintergrund.

Zweifelsfrei der Star des Abends war der 27-jährige Pianist und Musikpreisträger Frank Dupree. Mit "Phrygische Tore" des amerikanischen Komponisten John Adam legte er ein Meisterstück ab. Diese nach der Pause in atemloser Rasanz und mit technischer Perfektion gespielte Komposition mag in ihrer Länge manchen Zuhörer überfordert haben. Sie glich einer rasenden Tunnelfahrt mit Licht- und Schattenbildern.

Das Ganze erwies sich als Klangbild der Musikgeschichte: Die phrygischen Akkorde, aus dem Altgriechischen bis zum Mittelalter gängig, bestimmen bis heute die Kirchenmusik. So wechseln sich in dieser Akkordabfolge, die sich steigernd den Konzertraum füllt, Dur- und Moll-Modulation ab. Romantische Passagen erklingen und enden ebenso explosiv wie begonnen. In seiner anspruchsvollen Technik dürfte das Musistück sowohl Albtraum wie Herausforderung für Klavierschüler sein.

Zuvor hatte das Dönneweg-Quartett mit Gesa Jenne-Dönneweg, Violine, Soo Eun Lee, Violine, Dirk Hegemann, Viola, und Karsten Dönneweg, Violoncello, zusammen mit Frank Dupree das Publikum mit Antonin Dvorak Klavierquintett Nr. 2 in A-Dur Opus 81 auf den Konzertabend mit Musik aus dem 19. und aus dem 20. Jahrhundert eingestimmt. Der tschechische Komponist gilt als Spätromantiker, der sowohl ukrainische und tschechische Volkstänze wie auch Klangfarben zeitgenössischer Komponisten verwendete. Quartett und Solo-Pianist ergänzten sich achtungsvoll und leidenschaftlich. Cello und Bratsche entwickelten ihre Soli im Einklang mit der Komposition und die Geigen fügten virtuos das Ensemble zusammen.

Diese Einheit zeigte sich dann auch beim Klavierquintett, Op. 89 des russischen Komponisten Nikolai Kapustin. In der Sowjetunion war er als Jazzpianist bekannt. Jazz aber war damals als "kapitalistische Kultur" nicht erwünscht. So machte Kapustin aus der Not eine Tugend und kleidete Jazzausdrücke in klassische Strukturen. Den Jazzpart hatte – wieder sehr engagiert – Frank Dupree am Klavier. Herausragend die abrupten Übergänge: wenn sich die Jazzrhythmen steigern, setzen die klassischen Elemente, denen die Streicher scheinbar ungerührt frönen, ein – bis zum nächsten Jazz-Einbruch.

Die Hörer nahmen auch diese Komposition und die perfekte Interpretation mit großem Beifall auf. Der galt dann besonders dem Pianisten und seinem Noten-Assistenten Linus Dönneweg. Wie überhaupt die Familie Dönneweg von den Großeltern bis zu den Enkeln bei diesem Eröffnungskonzert nicht nur präsent, sondern auch aktiv ist. Kein Wunder, denn der Bergstadtsommer in St. Georgen ist ihr musikalisches Kind.