Sie wusste, dass es nicht so sein wird wie in Deutschland. Aber als Sara Raimondo aus dem beschaulichen St. Georgen in der peruanischen Millionenstadt Lima ankam, war es für sie doch ein überwältigender Wandel. Äußerlich, so erzählt sie heute, sei die Hauptstadt des Andenstaats zwar kaum von europäischen Großstädten zu unterscheiden. „Es fällt aber auf, dass es in Peru fast keine Mittelschicht gibt, sondern nur Arm und Reich, wobei die Wohngebiete häufig durch Mauern getrennt sind. Das zu sehen war schon erschreckend“, schildert sie ihre ersten Eindrücke.

Neben der Arbeit kam auch der Spaß nicht zu kurz: Die St. Georgenerin Sara Raimondo (zweite von links) während ihres Freiwilligendienstes in Peru. Bild: Sara Raimondo
Neben der Arbeit kam auch der Spaß nicht zu kurz: Die St. Georgenerin Sara Raimondo (zweite von links) während ihres Freiwilligendienstes in Peru. | Bild: Rolf Hohl

Das war vor einem Jahr, als sie zum Freiwilligendienst nach Südamerika aufgebrochen war. Aber die Erfahrungen nach der Ankunft in Lima sollten längst nicht die einzigen sein, die sie nach zwölf Monaten aus Peru mitgenommen hat. Die erste Hälfte ihres Aufenthalts verbrachte die 19-Jährige in der Stadt Ica, südöstlich der Hauptstadt, und arbeitete dort für eine Menschenrechtsorganisation, die sich vor allem für Frauen aus ärmeren Gebieten einsetzt. Oder konkret, wie Raimondo es sagt: „Wir haben Küchen gebaut.“

Mit Backsteinen und Zement haben sie und andere Helfer Kochnischen unter freiem Himmel oder unter Vordächern errichtet, damit die Frauen nicht mehr über offenem Feuer kochen mussten. „Die Küchen hatten sogar einen Abzug für den gesundheitsschädlichen Rauch“, ergänzt sie. Nach einem halben Jahr seien so rund 200 Küchen für die Bedürftigen entstanden.

„Nach Monaten wieder Vertrauen gefasst“

Für ihre zweite Station in der Stadt Mollendo entfernte sie sich noch weiter von Lima, näherte sich dafür aber ihrem künftigen Berufsziel – der Arbeit mit Kindern – an. In einer Tagesstätte betreute sie dort Kinder aus schwierigen Verhältnissen, organisierte Spiele, Bastelstunden oder Tanzunterricht und machte dabei mitunter eindrückliche Erfahrungen. „Manche der Kinder waren durch Gewalt in der Familie traumatisiert. Ein Mädchen etwa wurde jahrelang von ihrem Vater geschlagen. Erst nach einigen Monaten hat es wieder Vertrauen zu uns fassen können und ist mir dann zur Begrüßung immer freudig entgegen gelaufen“, schildert Sara Raimondo.

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Trotz dieser positiven Erfahrungen blickt sie aber auch kritisch auf die Entwicklungsarbeit. „Gerade solche Freiwilligeneinsätze halte ich für sinnvoll, aber es muss jedem bewusst sein, dass man hiermit noch nicht die Welt verändern kann“, sagt sie. Jungen Leuten, die ähnliche Einsätze im Ausland planen, rät sie dennoch zu mehr Risikobereitschaft: „Die Sprache sollte man schon ein wenig sprechen können, aber ansonsten ist es das Beste, sich nicht zuviel Druck zu machen und einfach selbst hinzufahren, um sich ein eigenes Bild machen zu können.“