Ein Liedervortrag kann ganz schön langweilig sein – aber nicht, wenn es sich um Chansons aus Frankreich handelt. Das Duo Lietz & Lotte aus Freiburg hat sich diesem Genre verschrieben und am Sonntagabend im Ökumenischen Zentrum sein Programm einem hoch interessierten Publikum vorgestellt.

Guter Ruf eilt voraus

Den Musikern eilte ein guter Ruf voraus: Das Foyer war voll besetzt, denn beide Musiker waren schon bei der Jubiläumsfeier der Jugendmusikschule St. Georgen aufgetreten. Lietzmann ist an diesem Abend mehr als nur der musikalische Begleiter an der Gitarre. Er gibt dem Konzert-Titel „Rendez-vous au banc public“ die Plattform und Ergänzung, die Charlotte Rott-Fournier für ihre Vorträge benötigt. Dazu gehört die Parkbank (banc public) als Requisit, von der aus musikalisch Geschichten erzählt werden. Sie geben sich lyrisch wie kämpferisch, politisch oder auch selbstzufrieden. Entsprechend setzte Lietzmann musikalische Akzente und Akkorde. Und Charlotte Rott Fournier modellierte ihre Stimme im französischen Timbre.

Eine Parkbank dient dem Duo Lietz & Lotte als Ausgangspunkt für bekannte und unbekannte Chansons, die sie im Rahmen der Reihe Ökultur am Sonntagabend im Ökumenischen Zentrum mit großem Erfolg vortrugen.
Eine Parkbank dient dem Duo Lietz & Lotte als Ausgangspunkt für bekannte und unbekannte Chansons, die sie im Rahmen der Reihe Ökultur am Sonntagabend im Ökumenischen Zentrum mit großem Erfolg vortrugen.

Vorläufer der Liedermacher

Die französischen Chanson-Kultur setzte sich im 20. Jahrhundert auch in Kabaretts fort und gilt als Vorläufer der heutigen, auch deutschen Liedermacher-Kultur. So war dann auch die Auswahl der Chansons an dem Abend bunt gemischt, alles wurde von Lotte kurz anmoderiert und auch in Mimik und Gestik ergänzt. Mit „La complainte de Resoubak“ erklang das Klagelied einer jungen Frau, die darin ihre Familiengeschichte aufarbeitet. Es wurde 1933 von Jean Tranchant komponiert und war der älteste Beitrag dieses Abends. Es folgten bekannte Chansons wie „Le petit Monsieur triste“, das einst Edith Piaf kraftvoll sang.

Abstieg zum Pechvogel

„Poker“, in dem ein Spieler seinen Abstieg zum Pechvogel beklagt, erinnerte an Charles Aznavour als Chansonier. Mit „La gadoue“ hatten einst Serge Gainsbourg und Petula Clark sowie Jane Birkin geglänzt. Darin geht es schlicht um das unsägliche Regenwetter. Herausgehoben aus der Reihe der bekannten Chansons sei noch „Sous le Ciel de Paris„, das 1951 veröffentlicht wurde und so berühmte Interpreten fand wie Edith Piaf, Juliette Greco und Yves Montand. Bei „Je suis snob“ (1954) und „T‘as pas tout dit„ (1964) bekam schließlich auch das Publikum einen Part im Refrain: Du hast nicht alles gesagt.

Reihe kommt an

Lietz & Lotte durften nicht ohne mehrere Zugaben die Bühne verlassen. Und die Veranstalter, allen voran Sabine und Oliver Porsch, erlebten wieder einmal, dass die von ihnen initiierte Reihe „Ökultur“ von den Bergstädtern bestens angenommen wird.