Wenn am Sonntag, nach dem Festgottesdienst anlässlich 150 Jahre Lorenzkirche der Empfang im Gemeindehaus beginnt und herzliche Begegnungen einsetzen, dann finden auch stumme Erinnerungen Beachtung. Es sind die unzähligen Fotografien und Druckerkopien aus der Vergangenheit der Lorenzgemeinde, die an Wänden und Stelltafeln im Gemeindesaal und im Vorraum zu sehen sein werden. Zusammengestellt hat sie Pfarrerin Susanne Fritsch quasi als Nebenprodukt des Jubiläumsbandes zur Lorenzkirche, der am Festtag vorgestellt wird. Ganz begeistert sei sie gewesen, wie gestochen scharf und lebhaft sich die kleinen Schnappschüsse aus den alten Fotoalben nach dem Scannen als größerformatige Digitalausdrucke präsentierten. Als Nebeneffekt verfügt die Kirchengemeinde nun übr ein gut bestücktes digitales Fotoarchiv.

Wer sich in die Fotos vertieft, erkennt, dass viele Aufnahmen aus den 1950er und 1960er Jahren stammen. Dafür gibt es zwei Gründe. "Die kirchliche Jugendarbeit war damals groß", erklärt die Pfarrerin. Zum einen habe zu dieser Zeit kaum eine andere Freizeitbeschäftigung gegeben. Zum anderen sahen die Eltern ihre Sprösslinge bei der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit gut aufgehoben und förderten die Beteiligung entsprechend.

Fehlt noch die eine Kamera. Bei ihren Amtsvorgängern war der Drang, das Gemeindeleben in Bildern zu dokumentieren, eher wenig ausgeprägt, fand die Pfarrerin heraus. Eine Ausnahme bildete Pfarrer Hans Saecker, der die Lorenzgemeinde von 1979 bis 1985 leitete. Dass sich vor den Stellwänden viele ältere St. Georgener in ihre Jugendzeit zurückversetzen lassen, ist Lina Hedwig Wenzel zu verdanken. Sie wirkte in den Fünfziger- und Sechzigerjahren als Gemeindehelferin und hatte den Fotoapparat meistens griffbereit. Aufgenommen hat sie die jungen Leute in der Gruppenstunde, draußen am Lagerfeuer, beim Musizieren, beim Herumalbern, mal in kecker, mal in cooler Pose. Zeitgeschichte in Bildern.

Wer nun am Sonntag lieber nur Gespräche führen möchte, verpasst dennoch nichts. Die Bilderausstellung wandert nach dem Festtag in die Lorenzkirche und ist dort zwei Wochen zu sehen.

jens.wursthorn@suedkurier.de