Er liebt Werke des russischen Komponisten Sergej Rachmaninov und wenn er am Klavier sitzt, vergisst er schon mal die Zeit. Martin Teichert aus Königsfeld ist einer der außergewöhnlichsten Musikschüler, den die Klavierlehrerin Gabriele König bislang erleben durfte.

Wenn Gabriele König über Martin Teichert spricht, gerät sie direkt ins Schwärmen. Gute und sehr gute Klavierschüler hat die Pianistin, die an der Jugendmusikschule St. Georgen-Furtwangen unterrichtet, in ihrem Berufsleben schon viele erlebt. Was Martin Teichert unterscheidet, ist die Tatsache, „dass er in den letzten Jahren eine rapide Entwicklung durchgemacht hat“, so König.

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Martin Teichert stammt aus einer musikalischen Familie. Die Mutter spielt Flöte, der Vater spielt verschiedene Instrumente, von der Gitarre bis zum Akkordeon. Martin spielt seit seinem siebten Lebensjahr Klavier. Als die Familie von Schwäbisch Hall in den Schwarzwald zog, meldete sich Martin Teichert bei der hiesigen Jugendmusikschule an. „Anfangs war ich allerdings nicht sehr motiviert“, gibt der heute 19-Jährige zu. Die Übungen, um die Fingermuskulatur zu stärken, haben ihm nicht sonderlich gefallen. Insbesondere das ewige Tonleiter-Spielen war ihm ein Graus, wie er verrät. Viel lieber setzte er sich zu Hause ans Klavier und spielte einfach drauflos.

Gabriele König indessen erkannte, welches Potenzial in dem Jungen steckte und sie meldete ihn nach einem Jahr Musikunterricht bei einem „Jugend musiziert“-Wettbewerb an. Dort gehörte er nicht zu den Besten. „Aber so ein Misserfolg am Anfang ist ein gutes Zeichen. Der erste Pfannkuchen geht auch meistens kaputt“, sagt Gabriele König und lacht.

Vor Freude geweint

Dass Martin Teichert trotz der „chaotischen Pubertätsphase“, wie es die Klavierlehrerin beschreibt, den Klavierunterricht durchgezogen habe, sei ein kostbares Geschenk gewesen. König stellte eine unglaubliche musikalische Entwicklung bei dem Heranwachsenden fest und sie förderte und forderte ihn weiter. Es folgten Teilnahmen an verschiedenen, auch von König organisierten Klavierwettbewerben, wo er erste Preise abräumte. Das schönste Kompliment sei jedoch gewesen, „als nach dem Reinhold-Glière-Wettbewerb Zuschauer, die selbst unterrichten, gekommen sind und gesagt haben, dass sie vor Freude geweint hätten, weil das Spiel so schön war. Das ist eine größere Belohnung für die jahrelange Arbeit als jeder Pokal und jede Urkunde“, so König.

Zukunft noch ungewiss

Kaum zu glauben, dass der eher zurückhaltend wirkende junge Mann neben der Musik, die er gefühlvoll spielt, auch ein harter Bursche sein kann. Martin Teichert spielt nämlich im American-Football-Team der Neckar Hammers in Villingen-Schwenningen.

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In welche Richtung es Martin Teichert jetzt verschlagen wird, weiß er noch nicht. Vorerst liebäugelt er mit einem Studium der Schulmusik. „Ich habe die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Trossingen abgelegt und bestanden. Aber ob ich dort einen Platz bekomme, weiß ich noch nicht.“ Falls es nicht klappen sollte, so ergänzt er, könne er sich derzeit auch ein Jurastudium vorstellen.

Für seinen weiteren Lebensweg wünscht ihm seine ehemalige Klavierlehrerin auf jeden Fall schon einmal alles Gute. „Dass er mit der Musik weitermacht, egal in welcher Form, ist eine große Belohnung.“

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