Die Entscheidung der Straßenbaukonferenz des Landesverkehrsministeriums, den Lückenschluss B 33/B 523 in der Priorisierung von einem bereits fest zugesagten ersten Platz wieder weit nach hinten zu stellen, stößt nicht nur in der Kommunalpolitik auf Unverständnis. Auch in der regionalen Wirtschaft regen sich die Gemüter über diese Entscheidung.

  • Robert Rettich von der Geschäftsleitung der Firma J. G. Weisser führt gleich mehrere Komponenten auf, die für den Lückenschluss sprechen. So scheitere die Suche nach Fachkräften für Unternehmen in der Region häufig daran, dass diese aus Stuttgart und Singen kommend erschwerte Anfahrtsbedingungen haben. "Die B 33 ist zu Stoßzeiten häufig überlastet und es gibt aus dieser Richtung praktisch nur diesen einen Weg nach St. Georgen." Dies schrecke hoch qualifizierte Bewerber häufig ab. Ein weiteres Argument führt Robert Rettich mit dem Transport der schweren Maschinen an, die das Unternehmen herstellt und die bis zu 40 Tonnen wiegen können. "Auch hier gibt es praktisch nur den beschwerlichen Weg über die B 33, was für die Speditionen erhöhte Logistik bedeutet." Ein optimierter Transportweg würde auch die Transportkosten verringern.

    Als Maschinenhersteller mit einem Exportanteil von etwa 75 Prozent nach USA und Asien müssten auch internationale Kundenkontakte berücksichtigt werden. "Unsere internationalen Kunden wollen schnell vom Flughafen zur Firma kommen." Auch beim Thema Standortsicherheit und künftige Investitionen spiele eine schnelle Anbindung eine wichtige Rolle, auch um im internationalen Wettbewerb den Vorsprung nicht zu verlieren. "Wir sind im Süden Deutschlands ein wichtiges Industriegebiet und haben hier im Schwarzwald-Baar-Kreis und insbesondere in St. Georgen eine hohe Wertschöpfung." Die Entscheidung, die in Stuttgart gefällt wurde, sei für ihn "ein Abwatschen der unternehmerischen Leistung in der Region."
  • Constantin Papst von Papst Licensing ist als künftiger Geschäftsführer des neuen Hotels "Federwerk" in St. Georgen sehr an einer Verbesserung der Situation interessiert. "Wir wollen, dass unsere Gäste vernünftig anreisen können und eine gute Anbindung an den Flughafen Stuttgart haben. Das ist für unsere Gäste entscheidend wichtig." Zudem sei es wichtig, dass das Oberzentrum nicht zur Sackgasse und der weitere Schwarzwald nicht abgeschnitten werde.
  • Torsten Bauer ist Disponent bei der St. Georgener Spedition Kraftverkehr Müller. Der Lückenschluss bedeutet für das Speditionsunternehmen einerseits Zeitgewinn. Doch für Bauer hätte die Querspange etliche weitere positive Effekte für alle Verkehrsteilnehmer. "Die Belastung für den Innerortsverkehr ist auch hoch, ebenso ist es hinderlich für den Individualverkehr, wenn wir mit unseren Fahrzeugen mit Überbreiten durchfahren." Die Sonderfahrzeuge der Großraumspedition haben eine Breite von bis zu dreieinhalb Metern. Auch die vielen Kreisverkehre vom Neuen Markt bis zur Autobahnauffahrt hemmen den Verkehrsfluss für die großen Lastwagen. "Dies alles könnte man mit dem Lückenschluss umgehen."

 

Ein Dauerbrenner

  • Um was geht es: Für den Ausbau eines fünfeinhalb Kilometer langen Teilstücks zwischen Mönchweiler und dem Gewerbegebiet Herdenen in Villingen-Schwenningen, wo die B 523 bislang endet, setzt sich die Interessengemeinschaft (IG) Lückenschluss, bestehend aus Vertretern der regionalen Wirtschaft und Politik, seit acht Jahren intensiv ein. Die Nordumfahrung wird für die Region als wichtiges Infrastrukturprojekt für die Wirtschaft im Raum St. Georgen, Triberg und Schonach und Bindeglied für die Ost-West-Achse von Offenburg nach Tuttlingen sowie zur Autobahn A 81 gesehen.
  • Was geschah bisher: Bereits 2010 überreichten Mitglieder der IG Lückenschluss eine Unterschriftenliste von mehr als 150 Unternehmern an die damalige Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU). Verbunden mit dem dringlichen Wunsch, sich für eine Umsetzung des Projekts einzusetzen. 2016 wurde das Projekt im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans zunächst in den vordringlichen Bedarf eingestuft. Damals schöpfte die Region Hoffnung auf eine baldige Umsetzung des auf 25,9 Millionen Euro veranschlagten Projekts. Die Ernüchterung folgte vor knapp vier Wochen. Am 20. März schob die Straßenbaukonferenz des Landesverkehrsministeriums das Projekt in eine andere Kategorie von Vorhaben, deren Planungen ab 2025 beginnen sollen. Damit landete der Lückenschluss auf dem letzten Platz der Vorhaben im Regierungsbezirk Freiburg. Obwohl die Planungen "im genehmigungsfähigen Stadium" bereits seit 2008 praktisch fertig ist. (spr)