Der Dichter Friedrich Schiller hat den Frauen eine Hymne gewidmet: "Würde der Frauen". Diese zehn Strophen sollten in jeder Wohnung hängen, in der eine Frau lebt, arbeitet, Kinder großzieht und meist noch als Seelenklempnerin, Kumpel und vielleicht auch Geliebte ein mehr als aus- und angefülltes Leben führt. "Ehret die Frauen, sie flechten und weben", wird es eingeleitet, das alle Tugenden der Frauen beschreibt. Und mit den Herren der Schöpfung nicht gerade zimperlich umgeht.

Das Gedicht entstand um 1800 zu einer Zeit, wo Hausarbeit körperlicher Einsatz bedeutete, kein Geschirrspüler oder eine Mikrowelle Hausarbeitszeit sparen half. Aber Schiller ist bis heute aktuell. Es hätte zur Podiumsdiskussion am Internationalen Frauentag im Theater im Deutschen Haus gepasst, die aktuell die Lage der Frau heute in Familie, Beruf und Ehrenamt beleuchtete. Und somit eine politische Veranstaltung war. Politisch, weil die Frauen schon seit über 100 Jahren an diesem Tag auf sich, ihre Leistungen für Staat und Gesellschaft aufmerksam machen und Missstände abgebaut sehen wollen.

Da mutet es schon komisch an, wenn ein Gemeinderat die Frauen auffordert, sich politisch zu aktivieren. Ja, wie denn nun? Was tun den die Frauen auf dem Podium und im Publikum gerade? Dass sie seitens der Stadt mit Breitbandkabel die Möglichkeit zur bequemen Heimarbeit haben dürfen, ist nun auch nicht die Art von Anerkennung, derer Frauen bedürfen. Ob nun als Gleichstellungsbeaufragte im Landratsamt, ob in der Wirkstatt in St. Georgen, in St. Georgener Einrichtungen und Firmen, ob in den Kirchengemeinden, überall sind Frauen tätig, arbeiten gerne in ihrem angestammten Beruf und versuchen den Spagat zwischen ihren Aufgaben und dem persönlichen Leben zu schaffen.

Doch vielen Frauen ist das Arbeiten-Müssen eine tägliche Pflicht, unter der sie auch leiden, wenn das Geld vorn und hinten nicht reicht. So ist im Sozialstaat Deutschland noch viel Handlungsbedarf, auch in St. Georgen. Und Gedichte, aber auch Blumen und eine liebevolle Umarmung dürfen auch außerhalb der Frauentage gern sein, frei nach Schiller: "Ehret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben".