Mit viereinhalb Jahren Haft und der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt hat das Landgericht Konstanz die Drogenkarriere eines 22-jährigen Mannes aus St. Georgen zumindest vorläufig beendet. Den kalten Entzug von dem Rauschmittel hat der als Drogendealer angeklagte Mann nach einem bislang halben Jahr Untersuchungshaft bereits hinter sich.

  • Schwungvoller Handel: Vor Gericht räumte er ein, ab April 2017 etwa ein Jahr lang im Stadtgebiet von St. Georgen einen schwunghaften Handel mit Marihuana, Amphetamin und Ecstasy betrieben zu haben. Neunundneunzig Fälle waren angeklagt. Teilweise bezog er auch mehrere 14- bis 16-jährige Jugendliche in seine Geschäfte mit ein. Sie brachten Drogen zu einem bestimmten Abnehmer oder boten anderen Konsumenten in seinem Auftrag die Lieferung derselben an.
  • Drogenübergabe: In den meisten Fällen verkaufte oder übergab der 22-Jährige die Drogen selbst aus einem Fenster der Einliegerwohnung, die er im Haus seiner Eltern bewohnte. Oder man traf sich im Stadtgarten oder am Klosterweiher. Immer handelte es sich jeweils um Kleinmengen an Marihuana oder Amphetamin oder auch mal eine oder zwei Ecstasy-Tabletten. Vereinbart wurden die Geschäfte häufig über WhatsApp-Chats oder Facebook-Kontakte.
  • Keine Bedenken bei Kindern: Der Vorsitzende Richter fragte den 22-Jährigen, ob er sich denn keine Gedanken darüber gemacht habe, Kinder als Boten loszuschicken oder ihnen gar selbst Betäubungsmittel zu verkaufen. Der meinte, die hätten sowieso schon alle konsumiert. Bei einem Jungen habe er den Verfall selbst beobachtet, deshalb habe er ihm selbst geraten, damit aufzuhören, erklärte er. Seinen eigenen ersten Joint habe er schon mit elf Jahren geraucht.
  • Absturz: Der etwas verlangsamt wirkende Angeklagte machte selbst kein großes Aufheben über seine zerrissene Biografie. Die Familie war in seiner Kindheit nach Italien gezogen und als er 16 Jahre alt war, wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Damals sprach er nur Italienisch. Seine Probleme in der Schule schüttete er mit hartem Alkohol zu, dann tauchte er in den Drogenrausch ab.
  • Fehlende Erinnerungen: Eher teilnahmslos und immer wieder auf die mütterliche Unterstützung seiner Anwältin angewiesen, berichtete er auch über das, was er von seinen Straftaten noch wusste. Und das war nicht mehr sehr viel. Nach der Zahl seiner Abnehmer in St. Georgen befragt, antwortete er: "Viele."
  • Festnahme: Bei der Durchsuchung seines Zimmers fanden sich Drogenreste, Verpackungen mit Drogenanhaftungen, eine Machete und eine Gaspistole mit entsprechender Munition. Die habe er mal für Silvester gekauft, erklärte er. Die Machete hatte er "einfach so". Im Sommer 2017 wurden er und sein Bruder bei der Polizei als Drogendealer angezeigt. Der Bruder lebt angeblich mittlerweile in den Niederlanden. Der 22-Jährige wurde nach vor einem halben Jahr festgenommen.
  • Psychiatrische Diagnose: Ein Arzt für forensische Psychiatrie sah die Voraussetzungen für eine Unterbringung auf der Suchtstation eines Psychiatrischen Krankenhauses als erfüllt. Der junge Mann ohne Schulabschluss habe in seinem Leben noch nicht viel anderes gemacht, als Drogen zu beschaffen und zu konsumieren, hieß es. Für ihn könnte es sicherlich schwierig werden, sich in einer zwei Jahre dauernden Entzugstherapie an geordnete Tagesstrukturen, an Arbeit und Nüchternheit zu gewöhnen.
  • Therapie: Der 22-Jährige meinte zur Therapie, er wolle das jetzt auch genauso. Mit diesem Urteil, das bereits rechtskräftig ist, kann er unter Anrechnung der Untersuchungshaft sofort vom Gefängnis in die geschlossene Therapieeinrichtung wechseln.