Corinna Kaiser macht einen beherzten Schritt nach vorne. Und findet sich unversehens in einem menschlichen Herz wieder, das sich wie ein großer Raum vor ihr öffnet. Sie dreht den Kopf und kann die Herzklappen sehen und hautnah nachempfinden, wie das Blut durch die Arterien fließt. „Wow“, entfährt es ihr – und sie nimmt die Spezialbrille ab. Und schon steht Corinna Kaiser wieder im Demoraum der Firma Imsimity. Der Ausflug in das menschliche Herz ist nur eines der Module, an denen Auszubildende für Pflegeberufe bei der Evangelischen Altenhilfe künftig die Anatomie des menschlichen Körpers dreidimensional kennenlernen können sollen.

Corinna Kaiser taucht mit der Spezialbrille vollständig in virtuelle Welten ein, in diesem Falle in ein menschliches Herz. Die Kolleginen Sabrina Armbruster (links) und Eva Erchinger sind fasziniert. Rechts Christoph Gawel von Imsimity. Bild: Roland Sprich
Corinna Kaiser taucht mit der Spezialbrille vollständig in virtuelle Welten ein, in diesem Falle in ein menschliches Herz. Die Kolleginen Sabrina Armbruster (links) und Eva Erchinger sind fasziniert. Rechts Christoph Gawel von Imsimity. Bild: Roland Sprich

Gemeinsam mit der Firma Imsimity plant die Evangelische Altenhilfe ein virtuelles Klassenzimmer für die Ausbildung angehender Fachkräfte im pflegerischen Bereich. „Wir haben 34 Auszubildende. Darunter auch einige, die aus Bosnien, dem Kosovo und aus Gambia kommen“, erklärt Eva Erchinger, Ausbildungsleiterin im Alten- und Pflegeheim Lorenzhaus. Gerade für diese jungen Menschen ist es oft nicht leicht, dem Berufsschulunterricht sprachlich zu folgen. So kann es vorkommen, dass sie Zusammenhänge nicht verstehen. Hier will der Arbeitgeber Evangelische Altenhilfe die künftigen Fachkräfte darin unterstützen, dass sie bestimmte Kenntnisse, beispielsweise in der Anatomie, mit technischer Unterstützung besser verstehen lernen.

Bevor die Ausbilder – Eva Erchinger für das Lorenzhaus, Corinna Kaiser für das Elisabethhaus und Sabrina Armbruster, die ebenfalls zum Anleiterteam im Lorenzhaus gehört – das E-Learning vermitteln können, müssen sie selbst sehen, welche vielfältigen Möglichkeiten das Lernen im Cyber-Classroom bietet. Christoph Gawel von Imsimity erläuterte die einzelnen Techniken. „Es wäre interessant, wenn die Auszubildenden sehen können, wie das Nervensystem funktioniert. Oder der Blutkreislauf, oder das Verdauungssystem“, erklärt Eva Erchinger. Weitere Möglichkeiten könnten sein, dass den künftigen Pflegefachkräften dargestellt werden kann, welche körperlichen und organischen Veränderungen sich bei bettlägerigen Bewohnern ergeben können, wenn sie nicht fachgerecht gebettet werden.

Eine Vision, die Christoph Gawel beispielhaft aufzeigte, wäre, dass Bewohner im Altenheim VR-Brillen aufsetzen und so in virtuelle Welten eintauchen. Und so etwa am Gottesdienst teilnehmen können, wenn sie selbst das Bett nicht mehr verlassen können.