Ein Stuhlkreis mit rund 30 Schülern. Hände gehen in die Höhe. Ab und zu ist auch ein Schnipsen zu hören. Nein, wir befinden uns nicht in einer Schulklasse, denn: Auch Bürgermeister Michael Rieger ist anwesend. Die Schüler der Robert-Gerwig-Schule hatten am Mittwoch die Möglichkeit, den Bürgermeister im großen Sitzungssaal des Rathauses mit Fragen rund um fairen Handel in St. Georgen zu löchern. Der sprach gerne und offen darüber, ob sich fairer Handel lohnt, wie sich die Stadt dafür engagieren kann und auch darüber, wie er sich als Privatperson beim Einkaufen verhält.

Schüler fragen Ladenbesitzer

Vor der angeregten Diskussion mit dem Bürgermeister hat sich die achte Klasse der Robert-Gerwig-Schule mit Klassenlehrerin Patricia Landkammer und Johanna Menzinger vom Projekt "Fair macht Schule" mit dem Thema fairer Handel beschäftigt. "Wir haben am Montag sechs Stunden Theorie gemacht. Es war wichtig, den Kindern Basiswissen zu vermitteln, was Fair Trade bedeutet", sagte Landkammer. Am Mittwochmorgen sind die Schüler durch St. Georgen gelaufen und haben Ladenbesitzer über ihre Waren befragt. "Die Schüler sollen wissen, wo sie faire Produkte in ihrem unmittelbaren Umfeld kaufen können", sagte Landkammer.

Kinderarbeit in Produktionsländern

Während der Diskussion interessierte die Schüler vor allem, unter welchen Bedingungen Kinder in fremden Ländern arbeiten müssen. Bürgemeister Michael Rieger nahm das zum Anlass, um an die Jugend zu appellieren, sich zu engagieren, damit ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet. "Wichtig ist, dass wir ein Bewusstsein schaffen und begreifen, was es bedeutet, wenn man ein T-Shirt für knapp zehn Euro in einem großen Modehaus kauft", erklärte Rieger.

Fair-Trade-Produkte sind teuer

Eine Gegenfrage aus der Runde folgte prompt: Fair-Trade-Waren seien teuer – nicht jeder könne sich diese Produkte auch leisten, obwohl das viele gerne täten. Michael Rieger nickte zustimmend: "Leider ist es so, dass sich nicht jeder ständig fair gehandelte Kleidung kaufen, oder von fairen Lebensmitteln ernähren kann." Als er noch Kind war, sei es üblich gewesen, dass Gemüse, Milch und Fleich aus der Region kam. "Es wäre schön, wenn wir da wieder hinkommen", sagte der Bürgermeister.

Schwerpunkt auf regionale Produkte

Zudem lobte Rieger in der Diskussion auch die Geschäfte in St. Georgen, die verstärkt darauf achten, regionale Produkte anzubieten. "Wir haben Metzger und Gemüsehändler, die regional anbieten. Ich finde das gut", sagte er, grenzte seine Haltung aber gleichzeitig ein: Es sei richtig, dass jeder Händler die Wahl habe, welche Produkte er anbietet. "Wir Verbraucher müssen umdenken und den Händlern zeigen, dass wir regionale Produkte bevorzugen."