Ein Herz-Kreislaufstillstand ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Wenn nicht innerhalb kürzester Zeit mit einer Wiederbelebung begonnen wird, drohen aufgrund der Sauerstoffunterbrechung irreparable Schädigungen des Gehirns – im schlimmsten Fall sogar der Tod. In der Serie von SÜDKURIER und Deutschem Roten Kreuz erklären Kreisausbildungsleiter Jens Schwarzwälder und seine Stellvertreterin Elke Bettecken, wo die Unterschiede zu Erwachsenen- und Kinderreanimationen sind. Dabei gibt es einige Änderungen zu früher, die die Hilfe für Ersthelfer leichter machen.

  • Herz-Kreislaufstillstand erkennen: Das Wichtigste ist, einen Herz-Kreislaufstillstand überhaupt erst zu erkennen. Hier wurden die Regelungen für den Ersthelfer vereinfacht. „Es geht nur noch darum, das Bewusstsein und die Atmung zu kontrollieren“, erklärt Elke Bettecken. Das Fühlen des Pulses entfällt, da dies für Ersthelfer eine zu große Fehlerquelle darstellt. „In der Aufregung wird an der falschen Stelle gesucht und häufig haben Ersthelfer hier ihren eigenen Puls gespürt.“ Wenn eine Person bewusstlos ist, aber Atmung vorhanden ist, ist sie in die stabile Seitenlage zu bringen. Wenn keine Atmung vorhanden ist, dann muss sofort die Wiederbelebung beginnen.
Elke Bettecken zeigt eine Herzdruckmassage an einem Kind: Mit ausgetrecktem Arm und einem Handballen wird auf den Brustkorb gedrückt. Bei Erwachsenen werden beide Hände für eine Reanimation benutzt.
Elke Bettecken zeigt eine Herzdruckmassage an einem Kind: Mit ausgetrecktem Arm und einem Handballen wird auf den Brustkorb gedrückt. Bei Erwachsenen werden beide Hände für eine Reanimation benutzt. | Bild: Sprich, Roland
  • Beatmung und Herzdruckmassage: Für alle zu reanimierenden Personen vom Säugling bis zum Erwachsenen gilt derselbe Algorhythmus. Das bedeutet: 30-mal drücken und anschließend zweimal beatmen. Eine Ausnahme gibt es: „Bei Säuglingen bis zu Kindern im Teenageralter muss man vorab fünf Mal beatmen“, erklärt Elke Bettecken. Der Grund: Die kindliche Lunge kann noch keine Atemluft speichern, weswegen zunächst Luft in die Lunge gebracht werden muss, um sie mit der anschließenden Herzdruckmassage in den Kreislauf zu bringen.
  • Die Druckmassage: Um den richtigen Druckpunkt für die Herzdruckmassage zu finden, muss zunächst der Oberkörper der zu reanimierenden Person freigelegt werden. Dann sucht man die Mitte des Brustkorbes und setzt knapp unterhalb der Brustwarzen mit dem Handballen auf und drückt mit ausgestreckten Armen den Brustkorb nieder. Während man bei Erwachsenen mit beiden Händen drückt, reicht bei einem Teenager ein Handballen. Bei Säuglingen wird die Herzdruckmassage mit zwei Fingern durchgeführt. Wichtig ist, dass die zu reanimierende Person auf den Boden oder eine andere harte Unterlage gelegt wird. Das Bett oder die Wickelkommode sind ungeeignet.
Bei der Beatmung wird der Kopf überstreckt und Atemluft entweder durch den Mund oder durch die Nase gepustet. Dabei muss das jeweils andere Organ mit der Hand verschlossen werden.
Bei der Beatmung wird der Kopf überstreckt und Atemluft entweder durch den Mund oder durch die Nase gepustet. Dabei muss das jeweils andere Organ mit der Hand verschlossen werden. | Bild: Sprich, Roland
  • Die Beatmung: Nach 30 Druckmassagen muss die Person zwei Mal beatmet werden Dazu muss zunächst der Kopf der zu rettenden Person überstreckt werden, damit die Atemwege frei sind. Dann presst der Retter der leblosen Person seinen Mund wahlweise auf dessen Nase oder den Mund und pustet seine eigene Atemluft in den Körper. Dabei muss das jeweils andere Organ zugehalten werden. Man erkennt, dass die Beatmung korrekt ausgeführt wird, wenn sich der Brustkorb der Person hebt.
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  • Was tun bei Ekel: Für manche Menschen ist gerade die Beatmung ein großes Hemmnis, etwa wenn der zu rettenden Person Blut aus dem Mund läuft. Um zu verhindern, dass die Ersthelfer deswegen ganz auf Erste Hilfe verzichten, kann in diesem Fall die Beatmung wegfallen. „Erfahrungsgemäß sind die Hemmungen bei Kindern weniger gegeben als bei Erwachsenen“, so Bettecken. Die Sorge, man könnte bei einer Reanimation die Person durch zu starkes Drücken verletzten und Rippen brechen, ist nach Aussage von Jens Schwarzwälder unbegründet: „Die Rippen sind flexibel, die halten einiges aus.“
  • Dauer der Wiederbelebungsmaßnahmen: Die Wiederbelebung ist von den Ersthelfern so lange aufrecht zu erhalten, bis der alarmierte Rettungsdienst eintrifft und die Reanimation übernimmt. „Dabei sollte nicht sofort aufgehört werden, wenn die Sanitäter zur Türe reinkommen. Sondern so lange weitergemacht werden, bis die Retter den Ersthelfer aktiv ablösen“, so Jens Schwarzwälder.