Beim Internationalen Museumstag in St. Georgen konnten die Besucher die ganze Vielfalt der fünf unterschiedlich gelagerten Museen mit ihren Schätzen entdecken. Auf sie warteten Führungen und Mitmachangebote. Im Heimatmuseum Schwarzes Tor wartete Wolfgang Göbel mit einer Vogelschau einheimischer Vogelarten auf. "Davon wurde keiner erjagt", darauf legte er großen Wert. Alle hatten sie einen Unfall und wurden für die Sonderausstellung, die noch weitere sechs Wochen zu sehen sein wird, präpariert. Wolfgang Göbel hofft, dass sich auch Grundschulklassen für die St. Georgener Vögel interessieren. Auf großes Interesse stieß die Arbeit von Weberin Reck-Sonntag, die ein Baumwoll – Leinenstoff webte. Die ganze Sammlung im Schwarzen Tor belegt bäuerliche und handwerkliche Traditionen in einer enormen Dichte.

Im Gegenteil dazu präsentierte sich der Kunstraum Grässlin luftig und übersichtlich. Hannah Eckstein erläuterte hier den Museumsgästen die Entstehungsgeschichte der Sammlung. Angefangen bei Anna und Dieter Grässlin und ganz in deren Sinne weitergeführt und entwickelt von den Kindern Bärbel, Karola, Thomas und Sabine. "Das ist die Besonderheit der Sammlung", informierte Hanna Eckstein und bezeichnete sie als organisch gewachsene Sammlung. Ganz von alleine, ganz natürlich und in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Künstlern sei sie so harmonisch geworden. Zu jeder vollen Stunde öffnete Hannah Eckstein für die Besucher die Türen.

Wie Hermann Papst der amerikanischen Weltfirma IBM bei der Produktion von Kugelkopfschreibmaschinen aus der Patsche half und nebenbei den japanischen Marktführer verdrängte, davon berichtete Rainer Kastano im Hermann-Papst-Museum. An die 500 Patente hat der Schwarzwälder Tüftler in den unterschiedlichen Bereichen des Lebens. Motoren waren seine Leidenschaft, erklärte Rainer Kastano. Ganz praktisch ließ Hermann Papst aus Bombenböden in der Nachkriegszeit Kochplatten herstellen und er sorgte dafür, dass die Sportfotografie schneller wurde. Unendlich viele, höchst interessante Geschichten wusste Rainer Kastano zu den Museumsexemplaren. Alle hatte er sie von Hermann Papsts Sohn Georg in seinen Führungen erfahren und gibt sie nun lebhaft weiter.

Bereits zur Eröffnung um elf Uhr, so Marion Borho vom Phonomuseum, warteten die ersten Besucher auf den Einlass. Begehrte Exemplare waren die Musikboxen, die die Wünsche der Besucher spielten und in ihrer Auswahl die Zeituhr um rund 40 Jahre zurück drehten. Einzelpersonen und Familien erkundeten das Museum auf eigene Faust oder ließen sich verschiedene historische Grammophone erläutern und vorführen. Schon alleine die prächtige Aufmachung der Geräte imponierte besonders den kleinen Museumsbesuchern. Auf großes Interesse stießen die Orchestrien und mechanischen Musikinstrument. Der Retro-Charme der bunten Koffergeräte fand Bewunderer, wie auch die Mini-Langspielplatten, die in Puppen Verwendung fanden.

Im Technikmuseum des Forum am Bahnhof (FaB) gab es für die Besucher viel zu Erleben, Erkennen und Bestaunen. Die Oldtimer-Traktoren tuckerten und konkurrierten mit dem Orchestrion von Jeanette und Peter Biedermann am Eingang. Das 40 Jahre alte Musikinstrument aus den Niederlanden erinnert durch seine Gestaltungang das holländische Delfter Porzellan. Anziehungspunkte gab es von der Fahrzeugausstellung bis zur neu eingerichteten Puppenstube, der sich Brigitte Hermann gewidmet hatte. Viel Anerkennung ernteten die Modelleisenbahner, deren Anlagen bewundert und genau inspiziert wurden. Die Zirkuswelt, die Filmwelt des Dokumentarfilmers Hermann Schlenker oder die Motorenwelt, alle Bereiche des Technikmuseums sind stets für eine Überraschung gut.

Der Museumstag

Seit 1978 gibt es den Internationalen Museumstag, der initiiert wurde vom Internationalen Museumsrat. In diesem Jahr findet er bundesweit zum 40. Mal statt und steht unter dem Motto "Spurensuche. Mut zur Verantwortung". Ziel ist es, auf die Themenvielfalt der Museen aufmerksam zu machen. Für die Besucher besteht die Chance, Schätze zu entdecken und die Arbeit der Museumsmitarbeiter kennenzulernen. (rib)