Zum Finale der St. Georgener Wieberfasbnet wurde jetzt ein bitterer Wermutstropfen ausgeschenkt. Oberaktivistin Franziska Eisele verkündete nach 19 Jahren Wieberfasnet in der Unterkirche das Ende der Ära der alten Garde. Das fortgeschrittene Alter und Lücken im Kreis der Mitwirkenden lassen einfach keine Alternative mehr zu. Franziska Eisele vergaß dabei keinen der Verstorbenen. Besonders das Mitwirken von Ralf de Fries – "er war zu jedem Spaß und Kokolores bereit" – würdigte Franziska Eisele. Ihr Satz "Er fehlt uns dieses Johr an allen Ecken und Enden" wurde zum besinnlichen Moment der Wieberfasnet. Mit stehendem Applaus zeigte sich das Publikum dankbar. Ob die Wieberfasnet womöglich mit neuen, jüngeren Akteurinnen weiter geht – niemand weiß es zum jetzigen Zeitpunkt.

Seit Jahren öffnete der "Goldene Auerhahn" seine Pforten. Wenn mit dem Schmotzige Donnschtig auch in der Bergstadt die Fasnet ausgegraben wird, herrscht dort abends ausgelassene Stimmung. Dann wird die Wieberfasnet gefeiert und als Thema wurde diesmal "Kreuzfahrt von der Brigge bis ins Schwarze Meer" ausgegeben. Im Programm setzte Franziska Eisele Akzente, im Bewusstsein, dass es so einen Abend nicht mehr geben wird. Deutlich kam es aus Eiseles Mund, dass die Brigach nicht nur mehr Wasser als die Breg führt. So setzte sich die Pointe "d'Brigach bringt's" beim Publikum durch. Eine zünftige Balleröffnung ohne Pfarrer Paul Dieter Auer geht dann auch nicht. Im Glanz des Kapitäns zogen ihn die Mitwirkenden in einem roten Gummiboot in den Saal.

Auf dem Kreuzfahrtschiff war dann allerhand geboten. Renate Beha kam als wissbegieríge Reporterin und fragte nacheinander die Gäste aus. Unter den Gästen weilte auch Sonja Dieterle. Sie ist der heimliche Gesangsstar der Truppe. Ihr gelangen mehrfach überzeugende Auftritte am Wieberball. Die erste Kostprobe war dann "Rot ist die Liebe."

Die sich anschließende Modenschau mit Karl Lagerfeld alias Thomas Eisele wurde vom Publikum regelrecht aufgesogen. An Eisele stimmte alles, die weißen Haare, der Fächer, das Jackett und die Handschuhe. Sogar die Imitation der Lagerfeldschen Stimme wurde zum Genuss.

"An der schönen blauen Donau" wurde zum Vorspiel für Sonja Dieterles "Heut' kommen d' Engel". Bernhard Eisele verwandelte sich in den ungarischen Zigeunerbaron und den Schweinefürst, mit überzeugend geschmetterten Arien. Elisabeth Weißer schlüpfte in die Rolle der Julischka. Evas Töchter tanzten sich in die Publikumsgunst. Irgendwie hat Franziska Eisele einen guten Draht zu André Rieu (Thomas Eisele), der plötzlich ein ganzes Orchester mitgebracht hat. Zum Höhepunkt wurde dann die Champagner-Arie aus La Traviata, gesungen von Bassist Bernhard Eisele und Sopranistin Paul Dieter Auer. Die Bergstadtfetzer und die Stadtmusik rundeten das musikalische Schlussprogramm ab.