Ob bei Weihnachtsmärkten, Stadtfesten, Wochenmärkten, beim Kaffee bei Freiluftveranstaltungen oder im Bistro – überall gibt es sie seit Jahresanfang: Bons. Auch Metzger und Bäcker sind von der Bonpflicht und den damit verbundenen erheblichen Kosten stark betroffen. Alles, was angeblich am Fiskus vorbeigehen kann, soll nun nachvollziehbar registriert werden, so der Hintergrund. Der Bundesrechnungshof schätzt, dass durch nicht registrierte Bargeldumsätze dem Staat pro Jahr zehn Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgehen. Nach dem Willen der Bundesregierung soll das 2020 anders werden. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage bei St. Georgener Handwerksbetrieben, einer Bäckerei und zwei Metzgereien war mehr oder weniger Kopfschütteln angesichts der Neuerung angesagt.

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Auch die Kunden schüttelten den Kopf und sprachen von Unverständnis über die neue Pflicht der Bonausgabe. Dass die Kassenbons durchaus zu Buche schlagen, berichtet Friedrich Straub von der Bäckerei Zuckerbeck. Früher konnte man fragen, ob ein Bon benötigt wird, heute werfen die Kassensysteme bei jedem Buchungsabschluss den Bon automatisch aus. Doch nur etwa jeder zehnte Kunde nimmt dem Bon auch mit, sagen die Händler. Bei der Bäckerei Zuckerbeck wird je Geschäft, am Bärenplatz und der Klosterbergstraße, nun täglich mindestens eine Bonrolle benötigt. Täglich wird Sondermüll produziert, denn die liegengelassenen Belege dürfen nicht ins Papier, sondern müssen im Hausmüll entsorgt werden.

Die Rollen sind teuer

Jelenea Calic steht hinter der Ladentheke beim Zuckerbeck am Bärenplatz. „Wir sammeln täglich die Bons und füllen damit den Sondermüll“, erzählt sie. So fragt sie sich, „für was Bons ausgeben, wenn niemand sie mitnimmt?“ Dass die Bonrollen teuer sind, das weiß die Vollblutverkäuferin hinter der Ladentheke auch. Dieses Geld muss erst verdient sein, bevor es ausgegeben werden kann, sagt auch Friedrich Straub. Das Unterfangen von Straub, beim Finanzamt eine Bonbefreiung zu erreichen, bliebt beim Versuch. So lange die Bundesregierung noch nicht zu einem diesbezüglichen Beschluss kommt, sei nichts mit Befreiung, wird ihm bescheinigt.

Alles mehrfach hinterlegt

Wird bei Jürgen Hodler nachgefragt, wie er die Situation als Metzger sieht, erklärt auch er: „Die Meisten lassen die Bons liegen“. „Eigentlich gibt es in der Metzgerei Hodler keinen Anlass die Bonpflicht einzufordern“, sagt er. Seit vielen Jahren kommt der Bon automatisch aus der Kasse und kein Kunde muss danach fragen, sagt Jürgen Hodler. Er halte die ganze Sache für übertrieben, sagt Hodler und begründet dies damit, dass mit jeder Kassenabrechnung sowieso ein Bon herauskommt. Zudem sei heute alles, was den Metzgereibetrieb betrifft, mehrfach hinterlegt und gesichert, erklärt Hodler.

Direkt in die Tüte

Ähnliches berichtet Heike Rieckmann von der gleichnamigen Metzgerei. „Bei uns gibt es immer schon einen Bon, den packe ich gleich in die Tüte mit dem Einkauf“, sagt sie. „Das wissen unsere Kunden auch, dass das so ist.“ Auch bei der Metzgerei Rieckmann werden Unmengen an übrigen Bons im Papierbehälter gesammelt. „Jeden Tag wird der Behälter voll“, so die Auskunft von Heike Rieckmann.