Ein weiterer Transport macht sich auf den Weg nach Budapest. Die Ungarnhilfe des Rotkreuz-Kreisverbandes Villingen-Schwenningen bringt mehrere Tonnen Hilfsgüter in die ungarische Hauptstadt. Der 65. Hilfstransport ist der letzte, der von Uschi und Jürgen Lippold organisiert wird. Nach 27 Jahren geben sie die verantwortungsvolle Aufgabe in neue Hände.

Gesundheitliche Gründe zwingen Uschi und Jürgen Lippold, die Aufgabe abzugeben. Nachfolger sind gefunden. Künftig werden Sonja und Dietmar Wiebel vom Ortsverein Triberg-Schonach die Transporte gemeinsam mit Wolfgang Schwochert vom Ortsverein Fischbach die Transporte organisieren.

Als Uschi und Jürgen Lippold nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1991 den ersten Hilfstransport für Ungarn organisierten, konnten sie nicht ahnen, dass dies der Beginn einer jahrzehntelangen Unterstützung werden würde. „Wir dachten, dass die Hilfsgüter vielleicht vier oder fünf Jahre benötigt werden“, erinnert sich Uschi Lippold.

Schnell wurde deutlich, dass die Kollegen des ungarischen Roten Kreuzes auch Jahre danach noch darauf angewiesen sein werden, Hilfsgüter zu bekommen. Bekleidung, aber auch Dinge des tägliche Lebens werden nach wie vor benötigt. Brillen, Hygieneartikel, Gehhilfen, Rollstühle und vieles mehr werden seither zwei Mal pro Jahr vom Sammellager in der Industriestraße nach Budapest gebracht. Auch die Betten des alten St. Georgener Lorenzhauses fanden in einem Krankenhaus in Budapest eine neue Verwendung.

„Wir waren zwar nicht die Ersten, die Güter nach Ungarn brachten. Aber wir sind immer noch dabei“, betont Jürgen Lippold. Die meisten Kreisverbände haben ihre Sachspenden inzwischen eingestellt oder unterstützen das Rote Kreuz in Budapest mit Geldspenden.

Fast 1000 Tonnen an Hilfsgütern haben Lippolds und ihre ehrenamtlichen Helfer seither nach Budapest gebracht. In den Anfangsjahren wurden drei Transporte jährlich organisiert, später zwei pro Jahr. Regelmäßig überzeugten sich Lippolds und einige Helfer davon, dass die Güter auch wirklich bedürftigen Menschen in Budapest zukommen. In Kleiderkammern dürfen sich Personen mit einem entsprechenden Ausweis nehmen, was sie benötigen.

Bürokratie muss sein. Jürgen Lippold überzeugte sich regelmäßig über die ordnungsgemäße Verwendung der Hilfsgüter, die der Rotkreuz-Kreisverband seit 1991 nach Budapest brachte. Rechts die ehemalige Leiterin des Rotkreuz-Ortsvereins in Budapest, Jeanette Barábas.
Bürokratie muss sein. Jürgen Lippold überzeugte sich regelmäßig über die ordnungsgemäße Verwendung der Hilfsgüter, die der Rotkreuz-Kreisverband seit 1991 nach Budapest brachte. Rechts die ehemalige Leiterin des Rotkreuz-Ortsvereins in Budapest, Jeanette Barábas. | Bild: Roland Sprich

Im Lauf der Jahre entstanden bei den regelmäßigen Besuchen echte Freundschaften mit Rot-Kreuzlern in Ungarn. Trotz der vielen Arbeit resümiert Uschi Lippold: „Es war eine wunderbare Zeit. Wir haben viel Schlechtes gesehen, aber auch viel Schönes erfahren.“ So wurde den Helfern bei ihren Besuchen in Budapest immer wieder vor Augen geführt, wie ein Großteil der Menschen in der Weltmetropole nach wie vor auf Unterstützung angewiesen ist.

Gerade in den Wintermonaten sei warme Bekleidung, die die St. Georgener gespendet haben, dringend notwendig. Manche Empfänger der Hilfsgüter können ihre Wohnungen nicht heizen oder sind gar obdachlos.