Herr Rimbrecht, wie steht die Jugendmusikschule im 50. Jahr ihres Bestehens da?

Bernd Rimbrecht: "Wir sind sehr gut versorgt mit hervorragenden Lehrern, die unsere rund 1450 Musikschüler vom Kinder- bis ins Erwachsenenalter in 24 Instrumenten unterrichten. Finanziell müssen wir allerdings extreme Klimmzüge machen."

Wie kommt das?

"Das Problem ist, dass die finanzielle Unterstützung durch öffentliche Fördermittel gedeckelt ist. Zuschüsse können nur durch Anträge erhöht werden. Die Elternbeiträge werden alle zwei Jahre moderat um den Kostensteigerungsfaktor von etwa zwei Prozent erhöht. Wenn wir über alle Bereiche hinweg, also bei der Unterstützung von Land, Kreis und Kommunen, dieselbe Steigerung bekämen, wäre unsere Arbeit erheblich leichter."

Welche Auswirkungen hat dies auf die Ausbildung der Musikschüler?

"Dass die Gehälter der Musiklehrer nicht immer angepasst werden können. Deswegen habe ich schon den oder anderen guten Musiklehrer verloren, der eine Stelle bei einer kommunalen Musikschule angenommen hat, die nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt wird."

Wie hat sich Ihrer Ansicht nach das Aufgabengebiet der Jugendmusikschule in den vergangenen Jahren verändert?

"Es findet weniger der ursprüngliche Instrumentaleinzelunterricht statt. Stattdessen ist das Hauptgeschäft immer stärker der Kooperationsunterricht. Wir haben verschiedene Kooperationen mit Musikvereinen, Chören und Schulen. Das bedeutet aber auch, dass die Lehrkräfte flexibler sein müssen und häufig an einem Tag an mehrere Orte fahren müssen, um Musikunterricht zu geben."

Was fällt Ihnen an den Jugendlichen von heute auf?

"Dass sie nicht mehr so leistungsbereit sind. Heutzutage lernen Jugendliche ein Instrument eher zielfrei und sehen das Üben eher als Belastung denn als Bereicherung. Ich versuche die Schüler immer davon zu überzeugen, dass sie das Instrumentlernen als Ausgleich zum Schulunterricht sehen sollen. Ich versuche, die Musikschüler so weit zu motivieren, dass sie zumindest bis nach dem Schulabschluss durchhalten. Die Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die durchhalten, einen deutlichen Mehrwert haben, wenn es darum geht, etwa im Studium schnelleren Anschluss zu finden und in verschiedenen Gruppierungen und Ensembles musizieren können."

Wo sehen Sie die Zukunft der Jugendmusikschule?

"Obwohl die Jugendmusikschule, übrigens ebenso wie viele andere Musikschulen auch, seit langem besteht, gibt es bis heute keine politisch verankerte Sicherheit. Die Musikschulen gelten bis heute als freiwillige Leistung. So sind bei Sparzwängen der Kommunen die Jugendmusikschulen auf der Einsparliste immer mit dabei. Es wäre von einem reichen Land wie Baden-Württemberg zu erwarten, dass die Verankerung als Pflichtaufgabe einer Kommune aufgenommen wird."

Was wünschen Sie der Jugendmusikschule zu ihrem Jubiläum?

"Dass wieder ein Aufschwung für die klassischen Instrumente kommt, und dass wieder mehr Kinder Streichinstrumente wie Geige, Cello oder Kontrabass lernen. Den Musikschülern wünsche ich Durchhaltevermögen und dass sie von den Eltern auf ihrem manchmal beschwerlichen Weg, ein Instrument zu lernen, bis mindestens zum Ende der Schulzeit unterstützt werden."

Fragen: Roland Sprich