Fast alle, die regelmäßig lesen, haben zu Hause das, was Lucia Kienzler den „SuB“ nennt. Die anfängliche Verwunderung über diesen kryptischen Begriff weicht aber schnell einem zustimmenden Lachen, wenn die Leiterin der Stadtbibliothek erklärt, was darunter zu verstehen ist: Nämlich der „Stapel ungelesener Bücher“.

Damit dieser im Laufe der Zeit doch einmal kleiner wird, gibt es den Freundeskreis der Stadtbibliothek, wo sich Kienzler und andere Bücherfreunde über die Werke austauschen und darüber, welche lesenswert sind. Diesen Freundeskreis wollen sie jetzt auch für andere Interessierte öffnen und einen regelmäßigen Literaturtreff mit dem Namen „Umgeblättert“ ins Leben rufen.

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„Ich liebe Bücher schon mein ganzes Leben, und wenn ich sie anderen Leuten dadurch etwas näher bringen kann, dann mache ich das gerne“, sagt Diana Hummel, die Hauptinitiatorin des neuen Literaturtreffs. Dieser findet im März zum ersten Mal statt und ist, so erklärt sie, für alle offen, die sich für Bücher interessieren. Der Treff solle eine Gelegenheit sein, sich gegenseitig neue Welten zu eröffnen.

Strittmatter neu entdecken

Auch Jutta Nassal-Halder wird bei dem Literaturtreff regelmäßig mit dabei sein und macht keine Anstalten, ihre Vorfreude darüber hinterm Berg zu halten. Sie habe sich vorgenommen, sich bei dieser Gelegenheit dem in St. Georgen geborenen Roman- und Drehbuchautoren Thomas Strittmatter zu widmen. „Zudem ist auch immer wieder interessant, wie unterschiedlich Bücher gelesen und interpretiert werden können. Darüber kann man in diesem Format wunderbar diskutieren“, sagt sie.

Dabei sollen die Teilnehmer alle Freiheiten haben, wie Diana Hummel erklärt. So soll jeder die Gelegenheit haben, bis zu vier Bücher in der Runde vorzustellen, etwa wie man es aus der ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ kennt.

Entdecken über Genre-Grenzen hinweg

„Es gibt da eigentlich keine Grenzen, was das Genre angeht. Wenn jemand ein gutes Kinderbuch oder Sachbuch kennt, kann man das ebenfalls hier vorstellen.“ Dabei, betont sie, müsse es auch nicht immer höchste Ansprüche erfüllen, „es kann auch mal ein Kitsch-Roman sein“. Und natürlich sei es auch möglich, gar nichts zu präsentieren und einfach nur zuzuhören, so Hummel.

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Die Treffen sollen damit vor allem ein Ort des lebendigen Austauschs über Literatur sein, bei dem auch kontroverse Fragen behandelt werden, wie jene danach, was überhaupt einen Literaturklassiker ausmacht. Diana Hummel beantwortet diese Frage für sich auf ihre ganz persönliche Weise: „Für mich zählt dazu auch Harry Potter, der hat mich damals aus meiner Leseflaute herausgeholt.“

Das, so hofft sie, vermag auch der „Umgeblättert“-Literaturtreff bei einigen zu leisten. Dieser findet zum ersten Mal am Freitag, 6. März, um 17 Uhr in der Stadtbibliothek statt. Eine Anmeldung ist dazu nicht notwendig, und in Zukunft sind auch andere Orte wie Cafés oder im Freien denkbar.

Ein Ort nicht nur für Bücher und Medien

  • Schon mit der kürzlich gestarteten „Reading Challenge“ hat Bibliotheksleiterin Lucia Kienzler das neue Jahr mit einer ihrer vielen Aktionen begonnen. In jedem Monat stellt sie einige Bücher zu einem Oberthema wie Dystopie, Liebe oder Abenteuer vor, um die Leser aus ihren gewohnten Genres herauszulocken.
  • Oder die „Bücher-Minis“, ein Angebot für Eltern, Großeltern und Kleinkinder zum gemeinsamen Vorlesen. Dieser ständige Einsatz ist auch den Mitgliedern des Freundeskreises der Stadtbibliothek nicht entgangen. „Man sagt ja, dass der Erfolg einer Bibliothek nicht von ihrer Größe, sondern von ihrer Innovationsfähigkeit abhängt, und das zeigt sich hier mit dem großen Engagement von Lucia Kienzler“, sagt etwa Jutta Nassal-Halder.
  • Auch die regelmäßig stattfindenden Lesezeiten und Bastelstunden sind inzwischen fester Bestandteil im Programm der Bibliothek, das sich weit über das alleinige Ausleihen und Präsentieren von Büchern und anderen Medien erstreckt.
  • Diese Wahrnehmung teilt auch Kathrin Frenz, die bei der Stadt für Kultur und Veranstaltungen verantwortlich ist. „Dafür, dass St. Georgen nicht besonders groß ist, wartet die Stadtbibliothek mit einem großen Angebot auf, das viele vielleicht gar nicht erwarten würden“, sagt sie. Darin reiht sich nun auch der neue Literaturtreff als zusätzliche Veranstaltung ein und dürfte damit für noch so manche zusätzliche Bücherfans in der Bergstadt sorgen.

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