Mal prosaisch, mal poetisch, mal nachdenklich stimmend und mal fantasie- und humorvoll, aber in jedem Falle tiefsinnig und vor allem selbstgeschrieben – beim ersten Dichterwettstreit Deluxe in St. Georgen fuhren die Teilnehmer anspruchsvolle Kost auf. Gut 100 teils von weit her angereiste Zuschauer verfolgten im Theater im Deutschen Haus, wie sieben Wettbewerber mit Worten auf hohem Niveau jonglierten und um die Gunst der Jury buhlten.

Organisiert wurde der Dichterwettstreit in St. Georgen von dem aus Villingen-Schwenningen stammenden Elias Raatz. Er ist selbst begeisterter Poetry Slammer, der auch wortgewandt durch den Abend führte. Jeweils sieben Minuten hatten die Teilnehmer Zeit, um ihre selbst verfassten Texte vorzutragen. Ohne Requisiten und anderen Hilfsmitteln, damit nichts von den aussagekräftigen Texten ablenkte.

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Das Publikum, darunter ein großer Teil, der sich zum ersten Mal auf diese Kunstform einließ, lauschte den Beiträgen hochkonzentriert. Da ging es mal um Krankheiten und Depressionen, mal um leidige Nachbarschaft mit überraschender Wendung. Mal ging es um die Erkenntnis, dass Kaffee, den man am Morgen über das Laptop schüttet, als ihn zu trinken, gleich viel wacher macht. Und um mangelndes Selbstvertrauen und der Pointe: „Du zweifelst an der Richtigkeit deiner Person? Vielleicht vergleichst du dich nur mit der falschen Person.“

Die Finalisten wurden anhand der vergebenen Punkte einer wahllos unter den Zuschauern ausgewählten Jury ermittelt, die am Ende jedes Beitrags sofort eine Wertung zwischen ein und zehn Punkten abgeben mussten. Die drei Finalteilnehmer Lena Huss aus Königsfeld, Lena Stockoff aus Tübingen mit einem etwas anderen Liebesgedicht und Joachim Weiß aus Reutlingen, der mit sich einem humorvollen Beitrag über Regenbogendiebe ins Finale redete, präsentierten sich anschließend mit einem weiteren Beitrag, um den Sieger zu ermitteln. Hier zog Lena Stockoff mit ihrem Text zum Thema Frauenrechte knapp an Joachim Weiß vorbei, der die innere Stimme laut werden ließ. Dritte wurde Lena Huss.

Das Publikum goutierte die Leistungen jedes einzelnen Teilnehmers mit dem berechtigten Beifall. „Der Intellekt dieser Veranstaltung und die Texte, die Lust auf Sprache machen“, brachte es eine Zuhörerin im Deutschen Haus auf den Punkt, was für sie den Abend ausmachte.