Die Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Friedhof bei der Lorenzkirche wurde zur eindringlichen Mahnung. Bürgermeisterstellvertreter Hansjörg Staiger sprach lange zur Bedeutung des Tages: „Nicht nur junge Menschen haben mit diesem Tag große Schwierigkeiten, weil ihnen der Sinn nicht klar ist.“ Und weiter: „Volkstrauertag, das hat doch irgendetwas mit Krieg, mit Soldaten, mit Schicksalen, mit den Erlebnissen einer anderen Generation, mit Vergangenem, mit Tod und Trauer zu tun. So lauten viele Fragen nach dem Sinn und der Bedeutung des Volkstrauertages„, so Staiger. Er stellt auch die rhetorische Frage, ob man den Volkstrauertag überhaupt noch brauche.

Hansjörg Staiger erinnerte am Sonntag an die über 55 Millionen Menschen, welche allein im Zweiten Weltkrieg starben. Die genannte Zahl der getöteten Menschen im Zweiten Weltkrieges sei so unvorstellbar groß, dass sie unser Vorstellungsvermögen übersteigt, sagt Staiger. Stünden 50 Menschen in Reihe und dahinter wieder 50 Menschen, dichtgedrängt hintereinander, so sagt er, ergäbe das eine Strecke von den Alpen bis zur Nordsee.

Unsere junge Generation solle den Versöhnungsgedanken und die Überwindung von Krieg und Gewalt am Volkstrauertag aufgreifen und nicht jenen überlassen, die die Deutungsmacht über die Jahrtausendverbrechen der NS-Diktatur kleinreden wollen. Denn das sei nicht nur Geschichtsklitterung, sondern auch eine Frechheit gegenüber allen Menschen, die im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen sind – auf welcher Seite auch immer und die sechs Millionen Opfer des Holocaust mit inbegriffen. Hansjörg Staiger erhielt von den Anwesenden große Zustimmung im stillen Gedenken.