Sitz, Platz, Fuß – hin und wieder mal ein lautes Kläffen. Ganze Sätze mit Subjekt, Prädikat und Objekt hört man beim Verein für Hundefreunde nur selten. Kein Wunder: "Der Hund braucht klare Anweisungen", erklärt Diana Scherer, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Wilhelm den Verein der Hundefreunde St. Georgen leitet. "Wir lehnen Gewalt streng ab", sagt Scherer und erklärt warum: "Der Hund merkt es sich sein ganzes Leben, wenn er geschlagen wird. Wir stärken die Beziehung von Mensch und Tier. Nur so sollte Erziehung funktionieren."

Bild: Küster, Sebastian

Menschen und Tiere trainieren

Wer glaubt, dass es im Verein für Hundefreunde nur um Vierbeiner geht, hat sich getäuscht. "Ich habe das Gefühl, dass wir die Besitzer intensiver therapieren als die Hunde", sagt Diana Scherer. Wenn ein Hund nicht folgt, liege das nämlich meistens am Besitzer. Körperhaltung, Lautstärke und Wortwahl seien entscheidend und vor allem eines: Konsequenz. "Es reicht nicht, einmal in der Woche ins Training zu kommen und dann zuhause wieder alles anders zu machen", sagt Diana Scherer. Nur wenn das Gelernte immer konsequent angewendet werde, könne sich der Vierbeiner die Anweisungen merken.

Kurzes Fell, langes Fell, große Hunde, kleine Hunde, schwarz, weiß, braun und bunt gemischt. "Hier ist jeder willkommen, der die Beziehung zu seinem Hund – egal welcher Rasse – verbessern möchte", erklärt die St. Georgenerin. Zu Beginn könne es zwar die ein oder andere kläffende Auseinandersetzung geben, in der Regel gewöhnen sich die Hunde jedoch schnell aneinander.

Viel Geduld bei Problemhunden

Doch es gibt auch Ausnahmen: "Ich kümmere mich vor allem um Hunde die Probleme haben", sagt sie. Oft seien das Tiere, die harte Schicksale verarbeiten müssen: Hunde von der Straße aus Griechenland, Hunde, die misshandelt und geschlagen wurden, oder Vierbeiner, die schlicht die falsche Erziehung genossen. "Sie müssen die Grundregeln kennenlernen. Dafür braucht man viel Geduld", sagt Scherer, die mit ihrem Mann selbst sechs Hunde besitzt. Für das Ehepaar sind Hunde nicht nur Haustiere, sondern echte Familienmitglieder. "Eigentlich sind sie wie unsere Kinder", erklärt Diana Scherer strahlend, während ihr Ehemann zustimmend mit dem Kopf nickt.

Bild: Küster, Sebastian

Drei Mal Training in der Woche

Der Verein der Hundefreunde St. Georgen wurde 1954 gegründet und ist Mitglied im südwestdeutschen Hundesportverband. Egal ob der Familienhund gehorsam werden soll, oder Herrchen mit seinem Vierbeiner Hundesport betreiben möchte – das Angebot im Verein ist vielfältig. Auf drei Übungsplätzen finden dreimal wöchentlich Trainings statt. Die Führung übernehmen Übungswarte mit Sachkundenachweis des Verbands für das Deutsche Hundewesen. Zum Trainingsprogramm gehört unter anderem "Agility", also ein Parcours für Hunde, der jedes Mal anders aufgebaut ist und möglichst schnell und fehlerfrei bewältigt werden muss.

Für die kleinen Besucher gibt es Welpenspiel- und Prägetage. Sie lernen dabei die Gefahren des Alltags kennen. Zudem sollen den Hunden durch unterschiedliche Geräuschkulissen Ängste vor lauten Tönen genommen werden.

Hunde beweisen Nervenstärke

Beim sogenannten Mondioring beißt der Hund ins Bein des Trainers, der mit einem Vollschutzanzug ausgestattet ist. Dadurch werde die Souveränität und Nervenstärke des Hundes gefördert. "Die Hunde werden dadurch ausgeglichener", sagt Scherer. Die Betreuer hätten jedoch ein gutes Auge dafür, wer den Sport missbrauchen will, um Hunde aggressiv zu machen. "Wer neu hinzukommt, kann nicht von Anfang bei der Schutzhundeausbildung mitmachen", erklärt Wilhelm Scherer.

Scherers beraten bei Tiersuche

Gabi Krüßer kam vor einigen Monaten zu den Hundefreunden, um sich beraten zu lassen, welche Hunderasse für sie die Richtige ist. Gemeinsam den Scherers hat sie sich zusammengesetzt und über das Verhalten der Tiere gesprochen. Am Ende entschied sie sich für "eine sportlichere Variante des Golden Retrievers", wie sie selbst beschreibt.

Bild: Küster, Sebastian

Noch enger zusammenwachsen

Das Zweiergespann trainiert für eine Ausbildung zum Begleithund. In der Prüfung muss Gabi Krüßers Hund Baro unter anderem mit und ohne Leine korrekt bei Fuß gehen, unter Ablenkung frei liegen bleiben, Platz machen und auf Zuruf herankommen. Darüber hinaus wird der Hundehalter in Theorie und Praxis geschult und am Prüfungstag schriftlich abgefragt. Auf die Frage, wieso Krüßer die Ausbildung absolviert, lacht sie kurz, schaut Baro mit strahlenden Augen an und sagt: "Weil wir ein noch eingespielteres Team werden wollen. Das erfüllt mich. Wir wachsen dadurch noch näher zusammen."