Seit 117 Jahren gehört der Männergesangverein Sängerbund zur Bergstadt. Vor allem ältere Bürger erinnern sich noch an Zeiten, als der Sängerbund mit über 70 Sängern auf St. Georgener Bühnen stand. Nun ist alles viel kleiner geworden und der Chor unter der Leitung von Helmut Wößner ist schwer geschrumpft. Singen vor Publikum kann nur noch mit gemeinsamen Auftritten des J.G. Weisser Werk-Chores gemeistert werden. Nun trafen sich 17 Sängerkameraden zur vermutlich letzten Jahreshauptversammlung im Gasthaus „Krone“. Denn die Auflösung ist beschlossene Sache.

Wie in allen Jahren zuvor forderte Chorleiter Helmut Wößner seine Sangeskameraden auf, sich zum Eröffnungslied zusammenzustellen. Und die „Frühlingsboten“, mehrstimmig gesungen, dazu mit einem Sologesang des Chorleiters ließen den drittletzten Tagesordnungspunkt fast vergessen – nämlich den Beschluss zur Auflösung des Vereins. Wößner leitet den Chor seit 30 Jahren, wofür er am Tag des Liedes 2017 in Vöhrenbach ausgezeichnet wurde. Doch so ganz verschwinden wird der Chor noch nicht. Zumindest in diesem Jahr stehen noch Auftritte auf dem Jahresprogramm.

Den Reigen der Jahresberichte eröffnete Schriftführer Horst Irion. So sagte er zu Beginn, „einen Bericht über die Aktivitäten des Männergesangvereins im zurückliegenden Vereinsjahr zu verfassen, wird für mich immer schwerer“. Das sei deswegen so, weil die Inhalte und Schwerpunkte immer weniger werden. Bei fünf öffentlichen Auftritten war der Sängerbund zu hören. Dies war möglich dank des Zusammenwirkens mit dem Werks-Chor von J.G. Weisser, der ebenfalls von Helmut Wößner geleitet wird. Zum Ende des vergangenen Jahres sind 14 aktive Sänger und 68 fördernde Mitglieder im Vereinsregister eingetragen. Aufgrund der Tatsache, dass die personelle Besetzung im Verein rückläufig ist, könne der Sinn und Zweck des Männergesangvereins nicht mehr verfolgt werden.

Aus der Hand des Vorsitzenden Helmut Storz (von rechts) erhalten Theo Uhl und Hermann Riegger die Urkunde für 40 Jahre Mitgliedschaft zum Männergesangverein „Liederkranz“. Bürgermeister Michael Rieger gratuliert den Jubilaren und übergibt allen eine Schokoladentafel als kleine Aufmerksamkeit.
Aus der Hand des Vorsitzenden Helmut Storz (von rechts) erhalten Theo Uhl und Hermann Riegger die Urkunde für 40 Jahre Mitgliedschaft zum Männergesangverein „Liederkranz“. Bürgermeister Michael Rieger gratuliert den Jubilaren und übergibt allen eine Schokoladentafel als kleine Aufmerksamkeit.

Drei aktive Sänger nahmen im vergangenen Jahr an einer Stimmbildung in Vöhrenbach teil. Mitte Juli fand im Königsfelder Christoph-Blumhard-Haus ein weiterer Auftritt statt. Nach einem Jahr Pause fuhren 20 Mitglieder mit einem St. Georgener Reiseunternehmen an den Schweizer Walensee und Lichtenstein nach Malbun. Nachdem die Zusage vom J.G. Werk-Chor kam, beteiligte sich der Sängerbund am 28. April in Peterzell am Tag des Liedes. Mit diesem Auftritt beendet der Sängerbund öffentliche Auftritte.

Nachdem in geheimer Abstimmung mit 15 Ja- und zwei Enthaltungsstimmen die Auflösung des Vereins beschlossen wurde, verkündet Horst Irion die weiterführenden Schritte. Als Liquidatoren sind er und der Vorsitzende Helmut Storz eingesetzt. Um allen Fallstricken aus dem Weg zu gehen, wird eine Anwaltskanzlei aus St. Georgen mit der Abwicklung beauftragt.

Bürgermeister Michael Rieger kam als „Überraschungsgast“ zur Jahreshauptversammlung. "Über die Jahre haben sie den Menschen etwas gegeben, sie haben in St. Georgen Spuren hinterlassen und Singen ist gut für die Seele“, so Rieger.

Ehrungen und Wahlen

Für 40 Jahre Mitgliedschaft wurden Ernst Weißer, Hermann Riegger und Theo Uhl mit der Ehrenurkunde geehrt. Auch im Jahr der Liquidation des Vereins muss der Vorstand vollständig sein. Zum Vize-Vorsitzenden und Schriftführer wurde Horst Irion, zum Kassierer Arnold Lauppe und zu Kassenprüfern Franz Krietemeyer und Josef Schneider gewählt. (wm)