Ohne Wolfgang Göbel und seine Mitstreiter Otto Rapp, Heinrich Kieninger und Jürgen Ragg, wäre die kulturelle Landschaft in und um St. Georgen ärmer. Während der Vorbereitung zur Ausstellung zu Kaiser Wilhelm II. im Jahr 2017 kam Göbel ob der Fülle an Informationen der Gedanke, eine Ausstellung zur Geschichte alter und neuerer Gasthäuser in St. Georgen und Umgebung aufzubauen.

Seit einem halben Jahr ist Göbel damit beschäftigt die erhaltenen Informationen aufzuarbeiten. In der Folge kam ihm der glückliche Umstand zugute, dass in St. Georgen zwei Heimatforscher seit Jahrzehnten im Hintergrund alles sammeln, was mit St. Georgen und vor allem auch mit der Geschichte der ehemals recht zahlreichen Lokalitäten zu tun hat.

Somit kann Wolfgang Göbel Aufzeichnungen von Otto Rapp und Heinrich Kieninger nun zur Ausstellung aufarbeiten. Mit Jürgen Ragg steht der Fachmann für alte Deutsche Schreibschrift zur Verfügung. Er hat in vielen Stunden niedergeschriebene Beiträge in moderne, lateinische Schrift übersetzt. An der Ausstellung werden Originale und Abschriften nebeneinander zu sehen sein.

Bereits jetzt sind die am Vorhaben beteiligten Männer auf Rückmeldungen gespannt. Die vier haben zwar eine ausgedehnte Quellensuche vorgenommen, doch bestimmt gebe es in der Bevölkerung weitere Hinweise zu alten Gasthäusern. Deswegen rufen sie dazu auf, sich bei ihnen zu melden.

Wolfgang Göbel hat die technische Voraussetzung, bei einem Besuch die zur Verfügung gestellten Bilder oder Texte gleich elektronisch aufzuzeichnen. "Das erleichtert die Recherche und ich kann mich auf das Gespräch mit den bereitwilligen Helfern konzentrieren", sagt er. Auch bei Heinrich Kieninger und Jürgen Ragg sind elektronische Arbeitsgeräte vorhanden.

An viele mit Anekdoten verbundene Häuser erinnern sich nur noch die älteren Bergstadtbürger. Wenn heute vom Sterben der St. Georgener Wirtschaften gesprochen wird, zeigt es sich, dass dieses ein Jahrzehnte alter Vorgang ist, der verdrängt und aus dem Gedächtnis entschwunden ist. Immer wieder wurde in zurückliegenden Jahren von nicht mehr vorhandenen, geschlossenen Wirtshäusern gesprochen. Wenn diese dann zum Teil optisch nicht mehr als ehemalige Gaststätte zu erkennen sind, schwindet deren Vorhandensein auch im Gedächtnis der Menschen St. Georgens.

Gerade diesem Verschwinden alten Kulturgutes wollen Göbel, Rapp, Kieninger und Ragg Einhalt gebieten. An allen ehemals vorhandenen Gasthäusern hängen Geschichten, bestätigen Otto Rapp, Heinrich Kieninger und Wolfgang Göbel.

Welche Bürger wissen heute noch wo einst das Gasthaus Sonne oder der Schwarzwälder Hof standen? Oder das Hotel Brigach und das Haus Weckler und Hodapp? Wo standen gleich noch mal der Badische Hof, das Café Schönblick oder das Café Schöner? Die jüngeren St. Georgener wissen heute selbst nicht mehr, wo einst der Bären und der Ochsen oder das Fürstenberg-Stüble ihren Platz hatten. Das alles soll sich ab etwa September oder Oktober 2018 im Schwarzen Tor mit der Ausstellung ändern.

Zur Person

Wolfgang Göbel ist in Osnabrück aufgewachsen und mit fünf Jahren mit seinen Eltern nach Todtnau-Brandenberg gezogen. Seit 1978 lebt er in St. Georgen. Göbel war Musiker bei der Stadtmusik und hat im Werkhof den Fuhrpark gewartet. Heute kennt sich der Heimatforscher vorzüglich in St. Georgen aus.