Der große Sitzungssaal im Rathaus verwandelt sich für eine Woche in ein großes Sprechzimmer, in dem das an seiner eigenen Gesundheit interessierte Publikum medizinischen Rat einholen kann. Ohne Wartezeit und Krankenkassenkarte. Die St. Georgener Gesundheitswoche startete am Montag mit zwei Fachvorträgen. Was "Die Rache des Schlaraffenlandes" im Körper anrichtet und was man unter ganzheitlicher Ernährung versteht, erläuterten die beiden Referenten Stephan Jacob und Daniela Núñes. Bürgermeister-Stellvertreter Hansjörg Staiger und Initiator Johannes Probst eröffneten die Gesundheitswoche offiziell, die ein Alleinstellungsmerkmal in der Region ist.

Ernährungsmediziner Stephan Jacob zeigt auf, welche Auswirkungen die unter dem Begriff metabolisches Syndrom zusammengefassten Erkrankungen Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Diabetes auf den Organismus haben, wenn sie alle zusammen auftreten. Die Sterblichkeitsrate ist dann genauso hoch wie einem Herzinfarkt.
Ernährungsmediziner Stephan Jacob zeigt auf, welche Auswirkungen die unter dem Begriff metabolisches Syndrom zusammengefassten Erkrankungen Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Diabetes auf den Organismus haben, wenn sie alle zusammen auftreten. Die Sterblichkeitsrate ist dann genauso hoch wie einem Herzinfarkt. | Bild: Roland Sprich

"Von allem ein bisschen macht viel" – mit dieser einfachen Formel fasste Stephan Jacob, Internist, Endokrinologe und Ernährungsmediziner zusammen, was ein bisschen Bluthochdruck, leicht erhöhte Blutfettwerte und ein wenig Diabetes anrichten können. Unter der Bezeichnung metabolisches Syndrom zusammengefasst sind sie die Nadelstiche, die zu Herz-Kreislauferkrankungen führen können. Vor allem Diabetes werde in seiner Auswirkung häufig unterschätzt. "Diabetes erhöht die Sterblichkeit, wenn der Blutdruck steigt", machte der Mediziner deutlich. Und verdeutlichte plastisch, dass Diabetes damit genau so schlimm sei wie ein Herzinfarkt.

Kardiologischer Tsunami

Das Problem an den Erkrankungen, die laut Jacob "keine Wohlstands-, sondern Armutserkrankungen sind, ist, dass es nicht weh tut." Oft machen sich die Auswirkungen von Übergewicht erst 20 oder 30 Jahre später als "kardiologischer Tsunami bemerkbar." Der medizinische Rat, den Jacob den Zuhörern mit auf den Weg gab, lautete "meiden Sie Orte, die dick machen, und ändern sie etwas, aber nicht alles auf einmal." Das beste Mittel, und wirksamer als jedes Medikament, sei Bewegung.

Daniela Núñes erläutert Gedanken zur ganzheitlichen Ernährung.
Daniela Núñes erläutert Gedanken zur ganzheitlichen Ernährung. | Bild: Roland Sprich

Im zweiten Vortrag des Abends widmete sich Daniela Núñes Gedanken um eine ganzheitliche und nachhaltige Ernährung. Sich ganzheitlich und nachhaltig zu ernähren sei ein Zusammenspiel unterschiedlicher Dimensionen. Hier spielten Umweltbedingungen ebenso eine Rolle wie das emotionale und mentale Umfeld. Auch soziale Komponenten spielten mit hinein. In ihrem ausführlichen Vortrag erläuterte die Referentin, welchen Einfluss die Wertschätzung gegenüber den Lebensmitteln, Tischmanieren und Emotionen auf die Gesundheit haben. Auch die wirtschaftlichen Faktoren seien ein bedeutender Faktor für die Gesundheit. "Das Problem ist, dass wir eine Überproduktion an Lebensmitteln haben, was wiederum zur Lebensmittelverschwendung führt." Es entstehe ein Teufelskreis aus sinkenden Preisen, noch höherer Produktion, um die Kosten zu decken und einem Existenzdruck für Kleinbetriebe. Niedrige Preise in den Supermarktregalen würden nicht die Realität widerspiegeln. Die ökologischen und sozialen Kosten würden sich in der Preisgestaltung nicht wieder finden.