Es waren keine futuristischen Stehlampen, die zuletzt für zwei Tage auf allen Ebenen des Rathauses an den verschiedenen Stellen aufgestellt waren. Bei den weißen Kugeln in Handballgröße handelte es sich um Referenzpunkte, die ein Scanner benötigte. Scanner und Kugeln bewegten Mitarbeiter des Freiburger Büros plaNtec. Die Spezialisten für 3D-Laserscanning, Plandigitalisierung, 3D-Gebäudemodellierung, oder Visualisierung wurden von der Stadt mit Blick auf anstehende Rathaussanierung beauftragt.

Digitale Rathauspläne lägen zwar vor, doch sie seien fehlerhaft, sagte Stadtbaumeister Alexander Tröndle. Die Übertragung der alten Papierrollen in CAD-Formate habe zu keinem Ergebnis geführt, das man heute verwenden könne. Deshalb komme nun eine Technik in Einsatz, die nach Meterstab und Laserpointer den nächsten Entwicklungsschritt darstelle.

Mit moderner Scannertechnik wird das Rathaus vermessen. Im Ergebnis steht ein dreidimenionaler Plan des Verwaltungsgebäudes, mit dem der Architekt arbeiten kann. Was auf der Treppe wie eine moderne Lampe aussieht, ist ein Referenzpunkt der bei der Verarbeitung der Daten benötigt wird. <em>Bild: plaNtec</em>
Mit moderner Scannertechnik wird das Rathaus vermessen. Im Ergebnis steht ein dreidimenionaler Plan des Verwaltungsgebäudes, mit dem der Architekt arbeiten kann. Was auf der Treppe wie eine moderne Lampe aussieht, ist ein Referenzpunkt der bei der Verarbeitung der Daten benötigt wird. Bild: plaNtec | Bild: plaNtec

Wie die Erfassung des umbauten Raumes erfolgte, erklärt Verena Gibson. Die Betriebswirtin ist Co-Geschäftsführerin und arbeitet seit über zehn Jahren in der zehn Mitarbeiter starken Firma. "Wir arbeiten uns da systematisch durch das Gebäude", sagt sie. An mehr als 200 Standorten im Rathaus wurde der Scanner in Position gebracht. 360 Grad rotierend und um die eigene Achse drehend sendete er seinen Laserstrahl aus, der von Oberflächen reflektiert und zurückgestrahlt wurde. So entstehen tatsächlich sehr genaue räumliche Punktwolken und Bilder. Doch je nach Ecken und Winkeln eines Raumes waren mehrere Positionswechsel notwendig. Daten überlagern sich, Software rechnet Überschneidungen heraus. Für das schlüssige Gesamtbild kommen die Referenzkugeln ins Spiel. Sie fungieren als feste Markierungen in den dreidimensionalen Punktewolken, die sich als Cluster verdichten.

„Diese Rohdaten, bestehend aus Millionen von Punkten, wandelt plaNtec anschließend in vektorisierte Bauteile wie Wände, Fenster und Türen um,“ erklärt Verena Gibson. Ein Architekt kann mit diesen digitalen Daten dann weiterarbeiten. Die in einer Software berechnete komplette Punktewolke wird zur Weiterbearbeitung in einer Architektursoftware in horizontale und vertikale Schnitte eingeteilt. Dieser Arbeitsschritt dauert nun ein paar Tage. In der Architektursoftware werden aus den Schnitten die einzelnen Geschossgrundrisse des Gebäudes aufwendig erstellt. In vier Wochen ist das 3-D-Rathaus mit exakten Rauminhalten für die Planer verwendbar.

 

Der Rathaus-Umbau

Auf 13,7 Millionen Euro, eher zu hoch als zu niedrig, schätzt Architekt Marc Lösch den Rathaus-Umbau. Die Modernisierung des Rathauses soll den Anfang des Mammutprogramms der Innenstadtsanierungen machen. "Wir hoffen, dass wir 2020 mit dem Rathaus beginnen können", sagte Rieger unlängst. Rund anderthalb Jahre braucht die Stadt während des Umbaus einen anderen Verwaltungssitz. (wur)