„Das ist eine wichtige Arbeit, aber ich könnte das ja nicht machen.“ Es sind Sätze wie diese, die die Pflegekräfte im St. Georgener Lorenzhaus nicht mehr hören können. Nicht nur dort hat man das Gefühl, dass die Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen in den Augen vieler Leute etwas Bemitleidenswertes sei. Diesem schlechten Image in der Öffentlichkeit will die Evangelische Altenhilfe St. Georgen nun aktiver entgegentreten.

Los geht es mit 3086,90 Euro

Erste Schritte dazu wurden bereits gemacht, und die sind zählbar, wie Florije Sula sagt, Geschäftsführerin der Evangelischen Altenhilfe und verantwortlich für das Personal-Management. „Oft kommt es so rüber, als würde man in der Pflege so wenig verdienen, dass man kaum davon leben kann“, sagt sie. Lange Zeit sei die Bezahlung zwar tatsächlich nicht gut gewesen, aber gerade in den vergangenen zwei Jahren seien die Tarif-Gehälter kräftig erhöht worden. So seien diese im vergangenen Jahr um mehr als sieben Prozent gestiegen, und in diesem Jahr noch einmal um 3,5 Prozent. Eine Pflegefachkraft erhält dadurch nun ein Einstiegsgehalt von 3086,90 Euro, Auszubildende beginnen mit 1140 Euro. „Da bewegen wir uns mittlerweile auf einer Ebene mit Fachkräften aus anderen Berufsfeldern“, betont Sula.

Eine echte Erfüllung

Möglich geworden sind die höheren Tariflöhne auch durch das desaströse Bild, das mancherorts von den Bedingungen in der Pflege gezeichnet wurde. Das Problem dabei: Die Löhne haben sich verbessert, das Bild nicht. „Die Wertschätzung für den Beruf ist noch immer nicht da, wo sie sein sollte“, konstatiert auch Markus Schrieder, Geschäftsführer der Evangelischen Altenhilfe. „Wir müssen noch viel mehr herausstellen, was es für eine Erfüllung ist, wenn man einem Menschen helfen kann.“ Noch sei es aber so, dass sich auf offene Stellen in der Pflege kaum jemand bewerbe, „wenn wir aber jemanden für den Empfang suchen, melden sich sofort 30 Interessenten“, so Schrieder.

Spürbarer Personalmangel

Den Fachkräftemangel bei den Pflegeberufen spüre man also auch im Lorenzhaus, erklärt er. Diese jedoch versuche man mit allerlei Zusatzangeboten und möglichst attraktiven Arbeitsbedingungen dort zu halten. „Eigentlich bräuchten wir etwa 30 Prozent mehr Personal, dass wir auf einen Stand kommen, der für mich zufriedenstellend wäre. Aber diese Leute sind in Deutschland einfach nicht zu finden“, sagt Schrieder. Er und auch Personal-Managerin Florije Sula begrüßen daher ausdrücklich die Bemühungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, aus dem Ausland Fachkräfte für die Pflege anzuwerben.

Zwei Stellen fürs Lorenzhaus

„Man muss mit ihm politisch nicht auf einer Linie sein, aber es freut uns, dass wir einen Minister haben, der etwas tut“, sagt Sula. Die Spahn-Stellen, so betont sie, kämen jedenfalls auch in St. Georgen an, auch wenn es hier lediglich zwei sein werden. „Das klingt nach wenig“, sagt Florije Sula, „aber es sind zwei Mitarbeiter, die wir sonst nicht hätten.“

Herzensangelegenheit

Dass diese Arbeit für viele Pflegekräfte nicht nur Erwerbstätigkeit sondern Berufung ist, wird besonders bei der hauseigenen Hospiz- und Palliativgruppe der Evangelischen Altenhilfe deutlich. 15 ehrenamtliche Sterbebegleiter sind hier auch dann für die Pflegebedürftigen da, wenn die Schicht eigentlich längst zu Ende wäre. „Das ist für uns eine Herzensangelegenheit, denn für eine Sterbebegleitung werden die Kosten nicht gedeckt, da sie vom Gesetzgeber nicht vorgesehen ist“, sagt Betriebsrätin Ilona Baumgärtel, die sich in der Gruppe engagiert. (rho)