Die Entscheidung fällt oft nicht leicht. Wohin soll man gehen, wenn es etwas zu feiern gibt, man sich mit Freunden treffen möchte oder einfach nur schnell etwas Essen möchte? Viele Menschen fahren dazu teils weite Strecken. Dabei gibt es auch in der Bergstadt viele kulinarische Angebote. Hier kommen vier St. Georgener Gastronomen zu Wort, die alle unterschiedliche Konzepte verfolgen und verschiedene Zielgruppen ansprechen.

Wenn Bürokratie auf Berufung prallt

Anthony La Rocca und Giulia Ancora haben sich mit der Pizzeria „La Mamma“ in der Ludwig-Weisser-Straße in die Selbstständigkeit gewagt. <em>Bilder: Kevin Rodgers</em>
Anthony La Rocca und Giulia Ancora haben sich mit der Pizzeria „La Mamma“ in der Ludwig-Weisser-Straße in die Selbstständigkeit gewagt. | Bild: Kevin Rodgers

"Es war immer schon unser Traum, uns mit einem italienischen Restaurant selbstständig zu machen. Wir sind beide mit damit groß geworden. Unsere Eltern haben schon Restaurants betrieben und wir haben beide immer in der Gastronomie gearbeitet. Deshalb setzen wir nun die Tradition fort. Ursprünglich stammen wir aus Lahr, aber St. Georgen gefällt uns auch gut. Von dem leer stehenden Lokal haben wir durch die Suche im Internet erfahren. Und hat sofort das Rustikale gefallen.

Wir bieten unseren Gästen frische italienische Küche an. Alles ist selbstgemacht. Viele Produkte importieren wir direkt aus Italien. Gastgeber zu sein ist für uns kein Beruf wie jeder andere, sondern eine Berufung. Wir bieten unseren Gästen jeden Tag ein Tagesgericht und einen Mittagstisch an. Daneben gibt es frische Pasta und Pizza. Unser Pizzabäcker ist ein guter Freund und eigens aus Italien nach St. Georgen gekommen. Die größte Schwierigkeit beim Eröffnen eines Restaurants sind die Bürokratie und die Organisation. Genügend Personal zu finden ist eigentlich nicht so schwierig. Allerdings haben viele Leute mit Blick auf das Gehalt immer höhere Ansprüche. Dann wird es irgendwann schwer, die Ansprüche auch zu befriedigen."

Es fehlt der Austausch unter den Wirten

Dieter Di Prinzio möchte mit seiner Bar an die frühere Bärenklause anknüpfen.
Dieter Di Prinzio möchte mit seiner Bar "Kaiser Klause" an die frühere Bärenklause anknüpfen. | Bild: Kevin Rodgers

„In St. Georgen tun sich viele schwer, neue Angebote auszuprobieren und gehen immer in dieselben Lokale. Deshalb gilt für uns in der Gastronomie: Wer nicht wirbt, wird vergessen! Allgemein fehlt in der Kernstadt ein wirklich guter gutbürgerlicher Gasthof mit regionaler Küche. Auch wir haben mit der Kaiser Klause eine neue Zielgruppe angesprochen. Wir planen aktuell auch einen größeren Umbau. Ab August bieten wir ein Tanzcafé an, das an die alten Zeiten anknüpfen soll, als es die Bärenklause gab. Das waren noch die Zeiten, als die Kneipen nach Feierabend voll waren! Das hat sich stark verändert.

Das Geld sitzt nicht mehr so locker wie früher. Die Leute müssen entweder nach Hause oder zu ihrem Zweitjob. Ein generelles Problem. Zudem ist es extrem schwierig, Personal in der Gastronomie zu bekommen. Nur Wenige möchten noch spät und am Wochenende arbeiten. Dass in den Kneipen geraucht wird, finde ich nicht schlimm. Ich habe den Eindruck, dass die Mehrzahl der Gäste raucht und es den meisten Gästen nichts ausmacht. Was ich mir hier wünschen würde, wäre ein Gastronomieverband, der Aktionen organisiert und in dem sich die Wirte austauschen können.“

Ganz im Trend zur regionalen Küche

Wolfram Morat vom Gasthaus „Zur Stadt Frankfurt“ legt großen Wert frische und regionale Produkte.
Wolfram Morat vom Gasthaus „Zur Stadt Frankfurt“ legt großen Wert frische und regionale Produkte. | Bild: Kevin Rodgers

"Bei mir ist alles nahezu selbst gemacht, ich verwende keine Fertigprodukte und es ist nichts drin, was nicht reingehört. Außerdem setzen wir in der „Stadt Frankfurt“ voll auf regionale Produkte. Unsere Kartoffeln kommen seit Jahrzehnten von demselben Bauer, die Nudeln von einem Bäcker in Hausach. Das ist für ein vergleichsweise einfaches Gasthaus keine Selbstverständlichkeit. Aber ich lege Wert auf frische und regionale Produkte und meine Gäste tun das auch. Unsere Zielgruppe sind qualitätsbewusste Menschen aller Altersgruppen. Es gibt einen Trend zurück zur regionalen Küche. Viele schätzen, dass auch Gerichte auf der Karte sind, die sie noch aus früheren Zeiten kennen.

Allgemein ist die Gastronomie in St. Georgen gut aufgestellt. Früher hat man nach außen getragen, dass man in St. Georgen nicht gut essen kann. Dann ist klar, dass auch niemand von außerhalb kommt. Die Idee, dass Gastronomen sich vernetzen, ist im Prinzip gut. Aber es könnte schwierig werden, die Vielfalt angemessen zu repräsentieren. Es ist sehr schwierig, Köche und Aushilfen zu finden. Die Arbeitszeiten sind für viele Menschen unattraktiv und die Mitarbeiter sind durch das Arbeitszeitschutzgesetz sehr eingeschränkt."

 

Report St. Georgen

Wohin entwickelt sich die Bergstadt? Die SÜDKURIER-Serie „Report St. Georgen" nahm die Leser ausgehend von einem provokanten Meinungsbeitrag mit auf eine Reise durch ihren Heimatort. Auf dem Tableau standen der demografische Wandel, der Klosterweiher, der Handel, die Suche nach Fachkräften, Mobilität im Alter und Wohnen. (kbr)