Der Geschäftsführer dieser Softwarefirma ist gar nicht so tief drin in der Software-Entwicklung, räumt er ein. Kommt er doch vom Selbstverständnis her eher aus der Werkstatt. Vermutlich ist es diese Mischung, die das Erfolgsgeheimnis von Comara ausmacht. Die Softwareschmiede mit dem Kunstnamen, den keiner erklären kann, wurde 2004 gegründet. "Da hat noch keiner an Industrie 4.0 gedacht", sagt Holger Langhans. Oder sich an den vielen Definitionen abgearbeitet. Allgemein gesprochen, tauschen unter Industrie 4.0 Maschinen untereinander Informationen aus. Oder es werden Produktionsdaten gesammelt, analysiert und zur Optimierung der Abläufe genutzt. Hier setzt Comara an. "Unser Produkt trifft den Nerv der Zeit. Wenn wir unsere Produkte bei Maschinenherstellern vorstellen, schickt uns keiner weg", sagt Geschäftsführer Langhans. Ein jährliches Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich mache das deutlich.

Langhans hat Maschinenbau studiert, aber auch das Feilen und Bohren in der Lehrwerkstatt ist dem 40-Jährigen bis heute ebenso vertraut wie die Abläufe in der Werkstatt und mit was sich die Facharbeiter plagen.Hier setzt das jüngere der beiden Premiumprodukte an, die noch unter der Ägide des Ende 2016 verstorbenen Comara-Gründers und Geschäftsführers Reiner Franke auf den Markt kamen.

Die Software-Plattform Comara appCom, physisch nichts weniger als ein Industrie-PC im Schaltschrank der Werkzeugmaschine, sammelt und schickt alle relevanten Daten direkt ins Firmennetz, wo sie auf Endgeräten darstellbar sind. Sie gibt den Überblick zu allen Maschinen und deren Status, listet die Statistik der Produktionsmaschinen im Zeitverlauf oder liefert die Echtzeit-Analyse zur Maschine im aktuellen Einsatz. Rot oder grün unterlegte Zahlen werfen Handlungsbedarf auf, eine automatische Alarmierung kann beim modularen System ebenfalls genutzt werden. Die Infos können Berechtigungen und Zuständigkeiten zugeordnet werden. Wartungsintervalle für den Bediener, Bearbeitungszeiten für den CNC-Programmierer. "Dabei ist appCom eine offene Plattform", betont Langhans. Die Software passt zu allen Herstellern, egal ob der Kunde eine ganze Fertigungslinie oder eine einzelne Maschine aufstellt. Jeder kann sie sich ausgestalten und an die individuellen Anforderungen anpassen.

Das Assistenzsystem ermöglich etwa dem Maschinenhersteller nicht nur ein Feedback vom Einsatz seiner Maschine beim Kunden, um daraus sein Produkt zu verbessern. Es optimiert auch die Abläufe in der Fabrik. "Einerseits nimmt die handwerkliche Kompetenz in der Fertigung immer mehr ab, andererseits werden die Maschinen immer komplexer", so Langhans. Da erhöhe das System die Effizienz.

Mit iCut, dem älteren Verkaufhit, optimiert Comara Bearbeitungsprozesse in der Zerspanung. Der Kniff: 500 mal in der Sekunde misst die Software die Spindelleistung und passt den Vorschub den aktuellen Schnittbedingungen. Das ermöglicht eine etwa ein Zehntel kürzere Bearbeitungszeit gegenüber dem Standardvorschub. Und das bei geringerem Verschleiß und stabilerer Prozesssicherheit.

Langhans war noch bei der Walter AG mit Sitz in Tübingen beschäftigt, als sich der Werkzeughersteller bei der Comara GmbH einkaufte und 2016 die Mehrheit übernahm. Im Oktober 2016 wurde er Ko-Geschäftsführer und fand seinen "Traumjob schlechthin". Diese Einschätzung definiert sich auch im Verhältnis zur Muttergesellschaft. Comara agiert als eigenständige GmbH und arbeitet im Hauptabsatzmarkt Deutschland, Österreich und Schweiz auch mit Firmen, die potenziell mit Walter konkurrieren. Das sei problemlos, denn jeder nutzt das appCom-System nach den eigenen Bedürfnissen. So hat ein Maschinenhersteller ganz andere Anforderungen als ein Werkzeughersteller. Umgekehrt fungiert Walter als Vertriebs- und Entwicklungspartner und hilft Comara beim Marktzugang.

Inzwischen sind bereits gut 400 appComs "draußen" und die Comara-Softwarelösungen auf 10 400 Maschinen installiert. Das Interesse aus der Wirtschaft wächst, zumal auch Altmaschinen mit der Software aufgerüstet werden können.

Comara wächst. Von neun Mitarbeitern 2017 auf aktuell 18. 25 sollen es am Ende dieses Jahres sein. Mehr Beschäftigte benötigen mehr Platz. Ab April hat Comara, Mieter der PE-Stiftung, in dem modernen Bürogebäude an der Industriestraße direkt neben der Bahnstrecke ein zusätzliches Stockwerk zur Verfügung.

Die Serie

In unregelmäßigem Abstand stellt der SÜDKURIER interesssante Unternehmen im Technologiezentrum vor. Heute geht es um die 2004 gegründete Softwarefirma Comara. www.comara.de