Es klingt nach einem Paradebeispiel für Bürokratie. Alle Beteiligten wollen die Brücke "An der Mühle" im St. Georgener Stadtteil Stockburg sanieren, schaffen es aber voraussichtlich erst nach fast vier Jahren Planung und Diskussionen, weil der Naturschutz, eine Bahnlinie in der Nähe und die ungeklärte Kostenverteilung die Umsetzung verzögern. Doch wer hat Schuld daran, dass die Situation so unübersichtlich geworden ist?

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Die Stadt? Die Verantwortlichen haben die Schritte für eine Sanierung recht schnell in die Wege geleitet und kämpfen seither mit einem immer unübersichtlicher werdenden Verfahren. Im November 2016 war das Problem mit dem maroden Bauwerk bekannt, im Januar 2017 wurde der Antrag auf Bezuschussung gestellt. Die anderen Behörden? Erledigen ihre Arbeit, sollen Fördergelder bezahlen und prüfen die Sachlage folgerichtig. Bleibt also die Deutsche Bahn als Sündenbock? Schließlich macht vor allem die Bahnlinie Probleme. Um den Bahnübergang zu sperren, braucht die Bahn aber verständlicherweise eine gewisse Vorlaufzeit. Zudem ist die Lage an der Brücke nicht ganz ungefährlich, weil sich in Ausnahmefällen ein Rückstau von Fahrzeugen auf die Schienen bilden kann. Und die Bahn muss die Sanierung der Brücke mitplanen und mitbezahlen, hat also Anspruch auf Mitsprache. So recht taugt der Konzern also auch nicht, um einen Schuldigen zu finden.

Viel mehr hat die Bergstadt jetzt ihr eigenes, kleines Beispiel dafür, was passieren kann, wenn zu viele Beteiligte an einem Projekt arbeiten. Und dafür, was die Folge ist, wenn zu viele Interessen, Richtlinien und Regeln aufeinandertreffen. Unweigerlich erinnert St. Georgens kleine Brücke ein wenig an den neuen Flughafen in Berlin. Man darf nur hoffen, dass es Zufall ist, dass beide Projekte, das ganz kleine im Schwarzwald und das sehr große in der Hauptstadt Berlin, im Jahr 2020 fertig werden sollen.