Spenderblut ist für Patienten überlebenswichtig. Nach Unfällen, bei Krebstherapien oder Herzerkrankungen kann mein Blut helfen. Ein Grund für mich, die Blutspende im Ökumenischen Zentrum zu besuchen. In kurzer Zeit werden meine Daten bei der Anmeldung zu Strichcodes umgewandelt. Die Barcodes dienen zur Kennzeichnung der Spende. Es fühlt sich fast wie bei der Wahl an, als ich mich im Anschluss an einen Tisch setze. Um mich herum sind Pappwände aufgestellt.

Privatsphäre wird hier groß geschrieben. Wer den Fragebogen für Blutspender anschaut, versteht warum. Die Fragen sind absolut persönlich. Es gibt Fragen zum Gesundheitszustand, meinen Vorerkrankungen und sogar zu meinem Sexualleben. Insgesamt 30 Fragen muss ich mit Ja oder Nein beantworten. Ob mein Blut verwendet werden kann, muss ich anschließend selbst beurteilen. Anhand der Fragen wird aber geprüft, ob ich auch wirklich spenden darf.

Blutgruppe kann allen helfen

An der nächsten Station erwartet mich Ute Johnnsen vom Blutspendedienst: "Ihr Blut ist besonders begehrt, das sehe ich an diesem Balken", sagt sie und zeigt auf einen der vielen Strichcodes. Warum, will ich wissen. Die Blutgruppe 0 ist universell einsatzbar: Mein gespendetes Blut hilft also Patienten aller Blutgruppen. Eine extra Portion Motivation, um weiterhin Blut zu spenden.

Bild: Wiebke Wetschera

Mit einem kurzen Pieksen in meinen Finger, entnimmt mir Johnnsen einen kleinen Tropfen Blut. Dieser wird in einer Maschine getestet. 13,4 zeigt das elektronische Gerät nach wenigen Sekunden an. Es ist mein Hämoglobin-Wert, der eisenhaltige Proteinkomplex meines Blutes. "Das ist ein guter Wert", sagt Johnnsen. Sie testet meinen Blutdruck und die Körpertemperatur, dann sagt sie: "Eine angenehme Spende."

Vorsicht geboten

Im Keller des Ökumenischen Zentrums sind die Tische der Ärzte hinter blauen Filztüchern versteckt. Ein Schild mit der Aufschrift "Diskretion – Bitte Abstand halten" hängt dort. Ärztin Nina Kube hat direkt Fragen an mich: Wie viel haben Sie heute schon getrunken? Wann haben Sie zuletzt gegessen? "Heute bitte keinen Alkohol mehr trinken oder Sport machen", sagt Kube ermahnend. "Und morgen keinen Marathon laufen oder Berge besteigen."

Die Spende beginnt

Im Foyer stehen acht Liegen bereit. Die Blutbeutel werden von elektronischen Geräten hin und her gewippt. Die Blutspender machen eine Faust, lassen die Hand dann aber wieder locker. Das Klientel ist unterschiedlich – Männer und Frauen, jung und alt. Nun bin auch ich an der Reihe.

Marianne Hetterich setzt sich auf meine linke Seite. Sie klemmt meinen Arm ab, mit den Fingern ertastet sie meine Vene. Dann nimmt sie eine lange Nadel und sticht diese langsam in meinen Arm. Trotzdem tut es etwas weh. "Alles in Ordnung?", fragt sie. Dann drückt Hetterich mir einen Verband in die Hand, auf den ich immer wieder drücken soll. So wird das Blut nach und nach über den durchsichtigen Schlauch in den Behälter gepumpt.

Immer in Gesellschaft

Zur Beruhigung während der Spende sitzt immer jemand am Bett. Christiane Obergfell macht das seit 46 Jahren. "Wenn die Nadel nicht wäre, würden viel mehr Leute spenden", sagt sie. Was sie Erstspendern rät, die Angst davor haben? "Ich sage immer, dass es einen kurzen Pieks wie beim Arzt gibt", sagt Obergfell. "Aber sie sollen einfach wegschauen." Meistens helfe auch die Ablenkung, um Spender zu beruhigen. Dann redet sie einfach drauf los. So auch bei mir.

Bild: Wiebke Wetschera

Das Gespräch wird durch ein lautes Geräusch zu meiner linken unterbrochen. Auf dem schwarzen, kleinen Monitor steht: Spendenvolumen erreicht. 502 Milliliter habe ich in den durchsichtigen Blutbeutel gepumpt. Die Zeit ging schnell vorbei. Der Arm wird mit einem Verband verbunden, anschließend heißt es ausruhen. Denn der Kreislauf muss sich erstmal erholen. Ich werde am Arm genommen und zu einer anderen Liege begleitet. Alle paar Minuten kommt jemand vorbei: "Alles in Ordnung? Möchten Sie etwas?"

Im Anschluss gibt es für alle Spender Fleischkäse, Salate und Brote. Langsam regeneriert sich der Körper wieder. Vor dem Ausgang steht noch eine Kiste, in der auch Aufkleber liegen. Ich nehme mir einen für mein Auto mit. Wenn andere den Aufkleber sehen, vielleicht spenden sie ja auch. So wie ich schon zwei Mal.