Ein eher seltenes Gastspiel gab der Blasmusikverband Schwarzwald-Baar in der Stadthalle St. Georgen. Verbandsvorsitzender Heinrich Glunz sagte im Gespräch augenzwinkernd: „Es ist an der Zeit, die Diaspora im Raum St. Georgen zu besuchen.“ Weiter sagte Glunz bei der Begrüßung: „Es sind keine elitären Musiker, die auf der Bühne Platz genommen haben“ – nein, es waren einfach Könner bei einem Doppelkonzert: das Verbandsjugendblasorchester Schwarzwald-Baar mit 40 Instrumentalisten und das Kreisverbandsjugendorchester Rottweil-Tuttlingen mit 65 Musikern.

Das Konzert war thematisch zweigeteilt. Das von Alexander Beer geleitete Schwarzwald-Baar-Orchester orientierte sich an Musik aus Skandinavien und stellte dabei Norwegen in den Mittelpunkt. Mit Johan Halvorsen stand der „Einzugsmarsch der Bojaren“ auf dem Programm. Halvorsen hat die osteuropäische Musiktradition der Bojaren in seine Komposition aufgenommen. Dabei entstand ein brillantes Orchesterwerk, das vor allem in den USA zum Paradestück von Blasorchestern wurde.

Blick in das Klarinettenregister des Verbandsjugendorchesters des Blasmusikverbands Schwarzwald-Baar.
Blick in das Klarinettenregister des Verbandsjugendorchesters des Blasmusikverbands Schwarzwald-Baar. | Bild: Werner Mueller

Carl Nielsen, dänischer Komponist, schuf mit der Aladdin-Suite eine interessante Komposition, die ständig an orientalische Musik erinnert. Oboe und Fagott übernehmen dabei eine wichtige Aufgabe. Spielfreude wurde da sichtbar, und Dirigent Beer leitete das Orchester schwungvoll.

Wenig bekannt ist, dass die beiden Männer der schwedischen Pop-Band Abba als Komponisten unterwegs sind. Björn Ulvaeus und Benny Andersson schufen mit „Chess“ ein dem Schachspiel gewidmetes Musical. Daraus zu hören waren einige Höhepunkte. Die Aladdin-Suite und die Cess-Highligths wurden im Arrangement von Johan de Meij gespielt. Hervorragend, wie Dirigent und Orchester mit lieblichen Klangbildern zur musikalischen Einheit wurden.

Als norwegischer Militärmusiker ist Johann Hanssen bekannt. Mit dem Valdes-Marsch setzte das Orchester den Schlusspunkt. „Das Stück hat Grautöne mit sehr zu Herzen gehenden Melodien“, kündigt Dirigent Beer an. Die scharfen Trompetensignale wurden von der Klarinette übernommen. Euphonium und tiefes Blech kamen zur Geltung. Das gesamte Schlagwerk hatte ein ordentliches Pensum zu erledigen.

Mit dem Kreisjugendblasorchester Rottweil-Tuttlingen wurde es etwas enger auf der Stadthallenbühne. Mit Dirigent Rudolph Barth wechselte auch das musikalische Thema. Es nahm die Besucher mit auf eine Reise durch Europa in die Karibik. So sagte Dirigent Barth: „Wir haben ein Gefühl gewählt“ – und mit Gioachino Rossini und seiner Lebensfreude ausstrahlenden Komposition „La Corona d’Italia“ eine typische sinfonische Eröffnung. „Otto e mezzo“, auf Deutsch „Achteinhalb“, von Nino Rota lebte von der solistischen Leistung am Saxophon, das gleichzeitig einen Hauch Wehmut verbreitet. Mit „El Sol de Sevilla“ waren drei Trompeten, Fanfaren gleich, solistisch gefordert. Stierkampfszenen wechselten mit rhythmischem Pasodoble. Ein gewaltiger, viel zu früher Schlussakkord beendete das Stück.

Auf Jerry Bocks „Fiddler on the Roof“, bekannt aus Anatevka, folgte „Symphonic Dances“. Die Klarinette klang nach Klezmerstimmung, das Orchester setzte Nuancen, wohltemperiert durch den Dirigenten angeregt. Zumindest musikalisch erlebten die Gäste mit der „Caribian Symphonette“ in drei Sätzen, wie sich die Karibik mit ihren Traumstränden wohl anfühlt.