Es ist Dienstagnachmittag, als eine Leserin die Bibliothek im Ökumenischen Zentrum betritt. Sie will ein Buch zurückbringen. "Hat es Ihnen gefallen?", fragt Ilona Aberle, Leiterin der Bibliothek. "Sehr", sagt die Leserin. Aberle lächelt und sagt: "Ich habe mir doch gedacht, dass das Buch etwas für Sie sein könnte."

Es sind Momente wie diese, die die kleine Bibliothek im Ökumenischen Zentrum ausmachen. Seit 20 Jahren ist Aberle in der Bibliothek tätig. Die Liebe zu Büchern motiviert sie: Lesen sei einfach etwas Tolles. Und auch das Familiäre gefalle Aberle: "Ich kenne meine Leser."

Sinkende Besucherzahlen

Doch trotzdem werden es seit Jahren immer weniger. Die Bücherei zählt derzeit etwas unter 50 Leser, die in der Kartei sind. Eine Entwicklung, die schleichend kam. Aberle sieht dafür zwei verschiedene Gründe. Zum Einen sei die Leserschaft grundsätzlich alt: "Sie können dann irgendwann nicht mehr lesen oder nicht mehr herlaufen", sagt die 62-Jährige.

Ilona Aberle leitet die Bibliothek im Ökumenischen Zentrum auf der Seebauernhöhe. Gemeinsam mit fünf weiteren Kolleginnen öffnet sie drei Mal wöchentlich die Türen für die Leser. Doch die Zahlen sinken. Bilder: Wiebke Wetschera
Ilona Aberle leitet die Bibliothek im Ökumenischen Zentrum auf der Seebauernhöhe. Gemeinsam mit fünf weiteren Kolleginnen öffnet sie drei Mal wöchentlich die Türen für die Leser. Doch die Zahlen sinken. | Bild: Wiebke Wetschera

Gleichzeitig sieht Aberle auch die elektronischen E-Reader als Problem: "Die Leute bleiben zwar Leser, aber gehen der Bibliothek verloren", sagt Aberle.

Zwischen Nostalgie und Realität

Was die Elektronik betrifft, ist die Bibliothek im Ökumenischen Zentrum recht altmodisch. Die Ausleihe funktioniert über Karten aus Papier und klassischen Stempeln. "Das ist noch richtig nostalgisch und funktioniert nur, weil es hier recht wenig Betrieb gibt", sagt Aberle.

Etwa 2000 Bücher gibt es in der Bibliothek, rund 100 neue werden pro Jahr angeschafft. Insgesamt 1300 Euro stellt die Gemeinde der Bibliothek dafür zur Verfügung. Eine Summe mit der Aberle gut haushalten müsse: "Die Bücher werden ja auch immer teurer", klagt Aberle.

Bücherei als Aufenthaltsort

Die Stadtbibliothek hingegen hat durch die Förderung der Stadt ein weitaus größeres Budget. Das zeigt sich auch beim Blick auf den Bestand: 14 000 Medien vor Ort sowie 9000 E-Books in der Online-Ausleihe zählt die Bücherei. Auf sinkende Leserzahlen hat Leiterin Lucia Kienzler 2014 mit einem neuen Konzept reagiert: "Wir wollten weg von dem Ausleihbetrieb", sagt sie. "Bibliotheken sind gemütliche Aufenthaltsorte."

Lucia Kienzler leitet die Stadtbibliothek in St. Georgen. Mit einem anderen Konzept will sie die Bücherei mehr als Aufenthaltsort etablieren und so mehr Leser gewinnen.
Lucia Kienzler leitet die Stadtbibliothek in St. Georgen. Mit einem anderen Konzept will sie die Bücherei mehr als Aufenthaltsort etablieren und so mehr Leser gewinnen. | Bild: Wiebke Wetschera

Daher laden Stühle und Tische zum Verweilen ein. Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit mit den Schulen verstärkt, beispielsweise über die Leseförderung. "Es ist wichtig, die Kinder schon im frühen Alter an das Lesen heranzuführen", betont Kienzler.

Konzept hat Erfolg

Schüler können am Mittag Hausaufgaben machen oder mit ihren Lehrern auch mal in der Bibliothek übernachten. Das Motto: "Wir wollen zeigen, dass eine Bibliothek kein eintöniger und langweiliger Raum ist." Und das Konzept der Bibliothek fruchtet: "Wir haben stetig steigende Leserzahlen", sagt Kienzler.

Familiäres Umfeld

In der Bücherei im Ökumenischen Zentrum haben die wenigen Besucher eine hohe Verbundenheit zur Bibliothek: Die Bibliothek sei auch eine Art Treffpunkt für sie. "Wir haben uns viel zu erzählen über die Bücher oder Privates", sagt Aberle.

Doch weil meist nur etwa fünf Leser pro Tag kämen, standen die insgesamt sechs Ehrenamtlichen bereits vor der Frage: Lohnt sich das überhaupt noch? Aber sie sind sich einig: "Wir wollen es so lange weiterführen, wie wir noch neue Bücher bekommen und Leser haben", sagt Aberle. Es sei wichtig, dass es auf der Seebauernhöhe eine Bibliothek gebe – für die fleißigen Leser. Auch wenn es wenige sind.

Bücherspenden

Die Bücherei im Ökumenischen Zentrum veranstaltet zum Gemeindefest am 17. Juni wieder ihren traditionellen Bücherflohmarkt. Dafür bittet die Bibliothek um Bücherspenden. Wer gut erhaltene Bücher hat, kann diese bis zum 17. Juni direkt in der Bibliothek abgeben. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Donnerstag jeweils von 15 bis 17 Uhr. Da die Bibliothek in den Pfingstferien geschlossen bleibt, können die Bücher noch heute oder ab dem 5. Juni abgegeben werden. (ww)