Der Veranstaltungsort, die Räume der Fabrik Obergfell, als auch die Musikauswahl und die Weise der Präsentation beim Bergstadtsommer-Konzert "Zeitsprünge", waren faszinierend und sehr speziell. Und sie zogen das Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann. "Fantastisch, dass es heute Abend hier so voll geworden ist", freute sich Klarinettist Dirk Altmann über das Konzertinteresse der St. Georgener.

Die Hauptbühne hatt die Gestalt einer Art Schwarzen-Box, in der die Konzertgäste knapp Platz fanden und die durch Beleuchtungseffekte in passendes Licht getaucht wurde. Die Musiker selbst präsentierten sich nicht nur im Mittelpunkt dieser Box, sondern auch an verschiedenen Punkten zwischen den Konzertbesuchern. Außerhalb dieses Ortes nutzten sie die Akustik der weiten Fabrikräume und setzten so Aufmerksamkeits-Reize an ihre Besucher.

Klarinettist Dirk Altmann und Cellist Karsten Dönneweg spüren in ihrem Duett von Komponist Morton Felmann beim Bergstadtsommer 2018 den leisen Tönen in ihrer Entstehung und Intensität nach..Bild: Rita Bolkart
Klarinettist Dirk Altmann und Cellist Karsten Dönneweg spüren in ihrem Duett von Komponist Morton Felmann beim Bergstadtsommer 2018 den leisen Tönen in ihrer Entstehung und Intensität nach..Bild: Rita Bolkart

Die familiäre Atmosphäre wurde von Dirk Altmanns Erläuterungen zu den einzelnen Stücken ergänzt. In seinen liebevollen Gebrauchsanweisungen eröffnete er auch weniger geübten Ohren einen Zugang zur vielschichtigen Welt der Modernen Musik. Wie eine Spange, so erläuterte er, waren bei der Auswahl der Werke mystische Motive gesetzt worden.

Elfenhaftes aus weiter Ferne, zart, vorsichtig und transparent eröffneten die Musiker mit Debussys "Syrinx für Flöte" das Zeitsprünge-Konzert. "Cassandra`s Dream Song for Flute solo" von Brian Ferneyhough schloss diese Spange. Hier zog Flötist Pirmin Grehl sein Publikum in seinen Bann.

Geradezu unglaubliche Töne, Tonfolgen, Triller, Sirren und Klopfgeräusche entlockte er seiner Querflöte. Er eröffnete mit dieser musikalischen Prophezeiung Cassandras für den Untergang Trojas seinem Publikum eine mystische Welt jenseits der Debussy-Harmonien.

Flötist Pirmin Grehl und Klarinettist Dirk Altmann präsentieren im Rahmen des Bergstadtsommers beim Fabrikkonzert "Zeitsprünge" die Vielschichtigkeit und das xperimentielle der Modernen Musik..Bild: Rita Bolkart
Flötist Pirmin Grehl und Klarinettist Dirk Altmann präsentieren im Rahmen des Bergstadtsommers beim Fabrikkonzert "Zeitsprünge" die Vielschichtigkeit und das xperimentielle der Modernen Musik..Bild: Rita Bolkart

Schrill, klagend, drohend und unheilvoll ließ er Tonbilder entstehen. Pirmin Grehl präsentierte mit Können den Konzert-Höhepunkt. Bravo-Rufe und anhaltender Applaus dankten ihm für diese Leistung. Die Konzertbesucher zeigten sich aber auch von den anderen Werken und der Interpretation durch die Musiker beeindruckt. Etwa beim bewussten Nachspüren der Töne, bei ihrer Entstehung und Entwicklung, in ihrer Klarheit und Intensität.

Das präsentierten Klarinettist Dirk Altmann und Cellist Karsten Dönneweg bei Morton Feldmans "Two Instruments for Cello and Bassetthorn". Auch die Idee von John Cages "Harmonies XLII" zum Apartmenthaus aller Amerikaner, faszinierte die Besucher. Mit Applaus bedankten sich die Konzertbesucher für den Konzertabend im Ambiente der Fabrikräume.