Während sich in Berlin die politischen Spitzen im Asylstreit mächtig in den Haaren liegen, wurde St. Georgen am Montag zum Zentrum für gelebte und funktionierende Migrationspolitik an der Basis. Für die erste Regionalkonferenz des Gemeindenetzwerks Baden-Württemberg war die Bergstadt der Veranstaltungsort.

Etwa 30 Vertreter von Organisationen für Migrationsarbeit aus ganz Südbaden kamen zusammen, um Perspektiven des gesellschaftlichen Zusammenlebens durch Integration aufzuzeigen.

Dass St. Georgen in der Migrations- und Flüchtlingsarbeit sehr gut aufgestellt ist, zeigte Bürgeramtsleiter Markus Esterle auf. 2014 wurde mit der Flüchtlingsarbeit begonnen, als die große Flüchtlingswelle 2015 rollte, war St. Georgen bereits vorbereitet.

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„15 Prozent unserer Einwohner und 64 Prozent der Kinder in den städtischen Kindertagesstätten haben Migrationshintergrund“, sagte Esterle. Diese hohe Zahl sei auch eine Verpflichtung für die Stadt, dafür zu sorgen, „dass diese Kinder einen guten Start für gute Bildungschancen bekommen.“

Verschiedene Vertreter von Organisationen stellten sich und ihre Arbeit vor. Für die kommunale Arbeit mit Migranten gibt es vielfältige Programme, die mit Fördermitteln des Landes unterstützt werden, wie Vertreter dieser Organisationen aufzeigten.

Eines dieser Programme ist Mi Globe, ein Zusammenschluss von Migranten, die Kommunen beraten und sie bei der Öffnung ihrer kommunalen Migrationspolitik begleiten. Dazu zählen unter anderem auch Projekte wie fairer Handel. Auch hier nimmt St. Georgen bereits eine Vorreiterrolle ein.

In der Diskussion wurde deutlich, dass längst nicht alle Kommunen eine Infrastruktur für Migrationsarbeit haben. Eine Teilnehmerin aus Gundelfingen bedauerte, dass es in kleineren Gemeinden keinerlei derartiger Organisationen gibt. „Wie kommt man an die Migranten heran?“, wollte sie wissen.

Eine Teilnehmerin aus dem Landkreis Sigmaringen sagte, es gebe in ihrer Gemeinde zwar Migrationsarbeit. Doch sei es schwierig, die Migranten selbst zu erreichen. „Was nützt es, wenn in den Treffen immer nur über, aber nicht mit diesen Menschen gesprochen wird.“

Ein anderer Teilnehmer kritisierte, dass es zahlreiche Institutionen, Verbände und Organisationen gebe, die viel Geld kosten. „Aber für Arbeit an der Basis gibt es nichts.“ Konkret bemängelte der Vertreter aus der Nachbarstadt Villingen-Schwenningen, dass für von ihm betreue Afrikaner mit geringen Bleiberechtaussichten kein Geld für Deutschkurse zur Verfügung gestellt werde.

Offensichtlich hake es in der Zusammenarbeit zwischen Agentur für Arbeit und Landratsamt. Wie Antonia Musacchio-Torzilli von der Wirkstatt sagte, sollte sich die Situation entspannen, nachdem der Landkreis mehrere Stellen für Integrationsmanager geschaffen habe.

In verschiedenen Workshops der Regionalkonferenz wurden verschiedene Ansätze und Schwerpunkte der Migrationsarbeit vermittelt.