Leise bimmelten die Glöckchen an den Häsern der Narren. Viele Besucher in der voll besetzten katholischen Kirche hatten sich in närrische Kostüme gewandet oder zumindest ein keckes Hütchen aufgesetzt. Und von der der Empore schallte neben dem Kirchenchor auch die Guggenmusik Bergstadtfetzer. Beim Gottesdienst am Fasnachtssonntag wurde einmal mehr deutlich, dass Kirche und Fasnacht keineswegs im Widerspruch zueinander stehen.

Proppevoll besetzt ist die katholische Kirche am Fasnachtssonntag. Die Kirchgänger freuten sich auf die letzte gereimte Predigt von Pfarrer Auer. Und wurden nicht enttäuscht.
Proppevoll besetzt ist die katholische Kirche am Fasnachtssonntag. Die Kirchgänger freuten sich auf die letzte gereimte Predigt von Pfarrer Auer. Und wurden nicht enttäuscht. | Bild: Sprich, Roland

Dem "Fluch der Tradition verpflichtet" fühlte sich Pfarrer Paul Dieter Auer. Er führte den Gottesdienst am Fasnachtssonntag mit Beteiligung der St. Georgener Fasnachtsgruppen ein. Und darauf, dass er seine Predigt an diesem Tag in Reimform halten wird, freuen sich die Gottesdienstbesucher ganz besonders. Wurde dies doch in den vergangenen 19 Jahren zu einer beliebten Bereicherung im bergstädtischen Fasnachtskalender. So wollte er die Besucher auch an seinem letzten Fasnachtsgottesdienst nicht enttäuschen. "Ist die Predigt nicht gereimt, fühlen die Zuhörer sich geleimt", legte Auer denn gleich los.

Mehrfach wurde er beim Bischof angeschwärzt

Was folgte, war eine Predigt über Heuchler und Pharisäer als Resümee über die vergangenen Jahre, die Paul Dieter Auer in der Bergstadt gewirkt hat. Insbesondere die Tatsache, wie er zur Fasnacht steht, hat offenbar bis zuletzt viele gläubige Katholiken irritiert. Mehrfach seien deswegen Beschwerden beim Bischof eingegangen. "Doch ich bin im Ordinariat bekannt, die liefen mit ihren Beschwerden allesamt gegen die Wand", reimte er.

Bunt bestückte Kirchenbänke: Beim letztmalig von Pfarrer Paul Dieter Auer gehaltenen Gottesdienst am Fasnachtssonntag erschienen viele Besucher im Narrengewand.
Bunt bestückte Kirchenbänke: Beim letztmalig von Pfarrer Paul Dieter Auer gehaltenen Gottesdienst am Fasnachtssonntag erschienen viele Besucher im Narrengewand. | Bild: Sprich, Roland

Doch der Pfarrer haderte nicht mit seinem Schicksal. "Als Pfarrer muss man auch mit verlogenen Säcken umgehen", zog er sein ungeschöntes Fazit. Und machte keinen Hehl daraus, dass er solche Menschen einfach nur "zum Kotzen" findet. Was ihm, wie auch am Ende, kräftigen Beifall aus den Kirchenbänken einbrachte. Zumindest jene Heuchler und Pharisäer dürften sich darüber freuen, dass Paul Dieter Auer in wenigen Monaten in den Ruhestand gehen und die Bergstadt verlassen wird. In der Nähe von Madrid in Spanien wird er sich bei seiner Familie niederlassen.