Im neu gestalteten Eingangsbereich fügt das Technologiezentrum die digitale Gegenwart und die Vergangenheit der Phonoindustrie zusammen. 100 000 Euro hat die Perpetuum-Ebner GmbH & Co. KG investiert, um auch den Mitarbeitern im Haus Möglichkeiten der Vernetzung und des Austauschs an die Hand zu geben.

Wer von der Leopoldstraße das ehemalige "Werk 1" betritt, wo einst die Dual-Hauptverwaltung und Teile der Produktion untergebracht waren und täglich bis zu 500 Menschen ein und aus gingen, kommt ins Staunen: vor allem dann, wenn er das aus der Zeit gefallene Entrée vergangener Tage im Kopf hat. Schlechtes Licht, schwere Ledersessel, winzige, Besprechungszimmer genannte Waben in Richtung Straße und als Gruß aus den 1960er Jahren ein Raucherzimmer, das trotz seiner Funktion lange für fragwürdige Luftverhältnisse im Korridor sorgte.

Stattdesssen empfängt den Besucher nun angenehmes LED-Licht, ein Lounge-Bereich zum gemütlich Sitzen und eine Touchscreen-Telefonanlage, die anstatt des früheren massiven Selbstwähltelefons mit dem gewünschten Ansprechpartner im Haus verbindet. Aus dem bisherigen Begrüßungsbildschirm sind deren drei geworden. Das Grundmodell kündigt jetzt auch Veranstaltungen an, ein weiteres fungiert als Nachrichtenticker und der dritte, neben einem Regal mit Prospekten platziert, zeigt die digitalen Möglichkeiten des Hauses exemplarisch. Mit einer Berührung stellen sich alle TZ-Firmen auf bis zu sechs automatisch wechselnden Tafeln in ihrem Wirken vor: beliebig oft aktualisierbares Infofutter für Besucher und Mitarbeiter gleichermaßen. "Hier steht der Gedanke des Netzwerks im Mittelpunkt", sagte TZ-Geschäftsführer Martin Friedrich. Zudem kann der Emfanggsbereich für kleinere Veranstaltungen genutzt werden.

Eine Brücke zur Dual-Vergangenheit schlägt ein Ausstellungsraum am Kopfende des Eingangsbereiches. Plattenspieler aus Epochen der Dual- und PE-Geschichte stehen in Vitrinen, eine Seitenwand wird durch ein Bild aus der historisches Produktion beherrscht, auf der Gegenseite hängen Rohlinge aus der Plattenproduktion. "Hier kommt man gut mit Besuchern ins Gespräch", weiß Friedrich aus Rückmeldungen im Haus. Die St. Georgener Phonovergangenheit sei auch für Auswärtige immer noch unglaublich präsent. Überdies finde die kleine Ausstellung, die nicht mit dem Phonomuseum konkurrieren möchte, auch bei ehemaligen Dual-Beschäftigten großen Anklang. "Das ist Wertschätzung für eine andere Zeit und tolle Produkte", freut sich Friedrich mit. Der Blick zurück und das Wissen um die Dual-Geschichte berge aber auch die Mahnung, Trends nicht zu verschlafen.

Die St. Georgener Phonoindustrie in leuchtenden Farben: Diese Werbung aus den 1970er Jahren hat als überlebensgroße Reproduktion in einem Korridor des Technologiezentrums ihren Platz gefunden.
Die St. Georgener Phonoindustrie in leuchtenden Farben: Diese Werbung aus den 1970er Jahren hat als überlebensgroße Reproduktion in einem Korridor des Technologiezentrums ihren Platz gefunden. | Bild: Wursthorn, Jens

Das Technologiezentrum

Das Technologiezentrum, 1985 gegründet, ist aus dem Konkurs der Firma Dual hervorgegangen. An drei Standorten in St. Georgen haben gegenwärtig 23 Firmen Räumlichkeiten gemietet: von kleinen Start-ups bis zum größten Mieter M & M Software mit rund 100 Beschäftigten. Eine weitere Aufwertung erfährt das TZ demnächst als "Digital Hub", eine Art Knotenpunkt und Zentrale für die Vernetzung von Digitalfirmen und – projekten im Raum Schwarzwald-Baar-Heuberg. (wur)