Früher wurden die Handwerker, die anderen aufs Dach stiegen, Zimmermänner genannt. Heute heißen sie Zimmerer, weil diesen Männerberuf auch Frauen erlernen. Zwar sind sie noch in der Minderheit, wie Andreas Haller aus St. Georgen erzählt. "In unserer Berufsschulklasse in Donaueschingen waren 17 Schüler und ein Mädchen", verriet der junge Geselle, der vor kurzem noch Azubi war. Sein Gesellenstück ist ein Miniatur-Dachstuhl, den er in seiner Freizeit gebaut hat.

Schon letztes Jahr an Weihnachten fasste er den Plan, einen Dachstuhl herzustellen. "Insgesamt 230 Stunden habe ich daran gearbeitet, bis mein Gesellenstück fertig war", freute sich der 19-Jährige. Im Mai war die theoretische Prüfung in der Schule und Ende Juli mussten die jungen Leute die praktische Prüfung mit dem Gesellenstück und weiteren Aufgaben absolvieren. Im August prüfte die Handwerker-Innung die Zimmerer-Lehrlinge aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis. "Ich wurde dabei zweiter Innungssieger", sagte Andreas Haller nicht ohne Stolz.

Abends und an den Wochenenden hat Andreas Haller diesen Dachstuhl aus Holz gebaut. Für das Gesellenstück hat er 230 Stunden seiner Freizeit geopfert. <sup></sup><em>Bild: Privat</em>
Abends und an den Wochenenden hat Andreas Haller diesen Dachstuhl aus Holz gebaut. Für das Gesellenstück hat er 230 Stunden seiner Freizeit geopfert. Bild: Privat

Die vier Besten wurden im September nach Rottweil in die Bildungsakademie eingeladen. Aus dem südbadischen Raum zwischen Waldshut, Schwarzwald und Bodensee trafen sich hier 14 männliche Zimmerer, um ihre Leistungen unter der Aufsicht der Prüfungskommission von der Handwerkskammer Konstanz zu messen. Nach dem Motto "Profis leisten was" wurden große Anforderungen an die Nachwuchs-Handwerker gestellt. "Ich hatte nie damit gerechnet, dass ich der erste Kammersieger werde", strahlte Andreas Haller. Die Überraschung war perfekt und auch seine Eltern freuten sich riesig mit ihm.

Doch der Ausbildungsbetrieb Holzbau Kürner und Burger im Schonacher Untertal war nicht weniger glücklich. Stolz zeigte Berthold Kürner auf die eingerahmte Urkunde, die im Büro einen Ehrenplatz bekommen hatte. "Dieser Betrieb hat beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks den ersten Kammersieger im Zimmerer-Beruf ausgebildet", kann man hier lesen, unterschrieben vom Präsident der Handwerkskammer Konstanz.

"Aber es geht ja noch weiter mit den Auszeichnungen", erzählt Kürner. Nächste Woche werde Andreas Haller beim Landeswettbewerb starten. Im Biberacher Bildungszentrum Holzbau treffen sich die besten Zimmerer von Baden-Württemberg und die Anforderungen seien deutlich höher als bei praktischen Gesellenprüfungen. Berthold Kürner lobte in den höchsten Tönen den jungen Mann aus St. Georgen, der im Stadtteil Stockburg wohnt und erst seit einem Jahr Auto fahren darf. "Er hatte vorher einen weiten Weg nach Schonach, zuerst mit dem Fahrrad, dann mit dem Zug und dem Bus bis hierher", betonte der Firmenchef. Aber der Lehrling habe das – wie alles andere auch – mit Bravour gemeistert.

Das Gesellenstück

Das Gesellenstück des Kammersiegers Andreas Haller kann noch bis zum 29. September im Foyer der Sparkasse von Donaueschingen angeschaut werden. Aber ab dem 9. Oktober wird es dann in Schonach vom Meister-Team der Region ausgestellt. Meisterbetriebe aus Schonach, Triberg, Schönwald, Furtwangen und Niederwasser haben für solche Zwecke das Schaufenster der früheren Drogerie neben dem Gasthaus Schwanen gegenüber der Urbanskirche gemietet.