Ein besonderer Höhepunkt der Feierlichkeiten am nächsten Sonntag wird die Vorstellung des Buches „150 Jahre Lorenzkirche“ sein, das Pfarrerin Susanne Fritsch herausgegeben hat. Ein Team von Autorinnen und Autoren hat Informationen aus den vielfältigen Bereichen der Gemeindearbeit zusammengetragen und mithilfe der Informationsdesignerin Claudia Ullrich zu einem 200-seitigen Buch gemacht.

Jochen Schultheiß beschreibt darin die Baugeschichte, den alten Hochaltar aus der Zeit der Reformation, die Orgel und das wechselvolle Schicksal der Glocken, die drei Mal kriegshalber abtransportiert wurden.

Peter Dönneweg hat in intensiver Kleinarbeit Namen und Fakten aus der Kirchenmusik zusammengetragen, die bisher kaum bekannt waren. So zum Beispiel die tragische Geschichte des hoch begabten Kirchenmusikers Paul Kessler. Nur ein einziges Jahr konnte er an der Orgel der Lorenzkirche wirken, ehe er 1940 einberufen wurde und im Krieg beide Beine verlor. Zum Glück endet seine Geschichte nicht damit – aber darüber mehr in Peter Dönnewegs Artikel.

Susanne Fritsch hat die Entwicklung der Gemeinde von der Weimarer Republik bis 1960 erforscht und beschrieben. So manche erstaunliche Entdeckung trat dabei zutage. Etwa, wie sehr die Gemeinde in den 1920er Jahren um die Mittel für ein Gemeindehaus kämpfen musste. Es diente nicht nur für Gemeindeveranstaltungen und die Jugendarbeit, sondern hatte einen Leseraum, der als eine Art Wohnzimmer den ganzen Tag über allen Interessierten offenstand und mit Zeitungen und Zeitschriften bestückt war. Der damalige Pfarrer hoffte, mit dem gemütlichen Raum gerade der Arbeiterschaft ein Bildungsangebot und eine Alternative zum Gang ins Wirtshaus zu bieten, musste sich aber auch gegen Störer und Randalierer zur Wehr setzen.

Ab den 1960er Jahren haben die damaligen Pfarrer selbst sehr lebendig über ihre Zeit in St. Georgen geschrieben.

Verschiedene Autorinnen steuerten Artikel über die Entwicklung der Kinder- und Jugendarbeit bei, beginnend mit den 1920er Jahren, als 400 Kinder sich in 25 Gruppen in der Kirche zum Kindergottesdienst trafen. Gemeindehelferin Hedwig Wentzell wirkte von 1946 bis 1976 in der Gemeinde und organisierte die riesige Kinder- und Jugendarbeit der 1950er und 1960er. Zum Glück hinterließ sie viele Fotos, mit denen das Buch bestückt werden konnte. Edeltraut Krämer, geborene Spanagel, war ihre Nachfolgerin und prägte bis 1992 eine Vielzahl junger Menschen. Auch sie hat sich zum Jubiläum angemeldet.

Auch die Geschichte der Diakonie liest sich spannend: Im 19. Jahrhundert waren Diakonissen für den Kindergarten und die häusliche Krankenpflege zuständig und erteilten Kurse, damit Frauen lernten, Alte und Kranke zu versorgen und ihre Familien in den Zeiten des Ersten Weltkriegs und der Inflation über die Runden zu bringen. Wie sich das änderte bis hin zum breit aufgestellten Angebot der St. Georgener Altenhilfe, darüber geben Marlies Jäckle, Susanne Fritsch und Klaus Gunkel Auskunft.

Das Buch wurde in einer Auflage von 500 Exemplaren gedruckt. Dank großzügiger Sponsoren kann das Buch am Festtag im Gemeindehaus zum Sonderpreis von 15 Euro erworben werden. Dieser Preis liege unter den Produktionskosten, wobei die Autoren sämtlich ehrenamtlich gearbeitet hätten, betont die Pfarrerin. Im Buchhandel wird der Preis etwas höher sein.

So läuft das Geburtstagsfest ab

  • Anlass: Vor 150 Jahren, am 27. Oktober 1867, wurde die nach dem Brand neu gebaute Lorenzkirche St. Georgen eingeweiht. Aus diesem Anlass wird am Sonntag, 8. Oktober gefeiert, Um 10.30 Uhr gibt es einen Festgottesdienst der Kirchengemeinde St.Georgen-Tennenbronn in der Lorenzkirche.
  • Gottesdienst: Unter der Leitung von Kantor Jochen Kiene wird die Kantorei singen. Auch der Posaunenchor, geleitet von Helga Reinbold, trägt zur musikalischen Ausgestaltung bei. Die Festpredigt hält der Landesbischof der Ev. Kirche in Baden, Professor Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, die Liturgie Pfarrer Dr. Friedemann Fritsch. Auch die katholische Gemeinde nimmt am am Gottesdienst teil.
  • Empfang: Anschließend gibt es einen Empfang im evangelischen Gemeindehaus. Der CVJM organisiert das Büffet mit leckeren Häppchen. Viel Gesprächsstoff bietet die Ausstellung mit Fotos aus den letzten 100 Jahren. So zum Beispiel Bilder von der Kinder- und Jugendarbeit der 50er und 60er Jahre, wo sich so manche/r bei Aufenthalten im Weissloch oder bei Theateraufführungen im Gemeindehaus wiedererkennen wird.
  • Gäste: Auch manche Bekannte aus früheren Jahrzehnten haben ihre Teilnahme zugesagt, etwa Inge Bung und Ute Kopf, die beiden Töchter des berühmten Breslauer Kirchenmusikdirektors Gerhard Zeggert. Er kam 1946 mit seiner Familie als Flüchtling nach St. Georgen und wurde der erste Nachkriegskantor der Stadt, der den Grundstein für die heutige Kantorei legte.