Wenn Jeannine Kunz am 25. August ins Flugzeug steigt, bricht für sie ein besonderer Lebensabschnitt an. Nie zuvor war sie länger von ihrem Zuhause in Langenschiltach weg, und nie zuvor so weit davon entfernt. Die 18-Jährige fliegt dann für ein Jahr in die chilenische Stadt Concepción, wo rund 12 400 Kilometer zwischen ihr und ihrer Familie liegen – und Welten zwischen ihrem gewohnten Lebensumfeld in Deutschland.

In der Stadt an der Pazifikküste wohnen rund 220 000 Menschen, zu denen dann auch die Schülerin gehören wird, und wo sie sich im diakonischen Zentrum Los Sobrinitos um die Betreuung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien kümmern wird. Für sie, die schon früher Kindergottesdienste mitorganisiert hat, ist das keine ganz neue Erfahrung. „Mir geht es aber auch um den Perspektivwechsel und das Bewusstsein, welche Privilegien wir im wohlhabenden Europa eigentlich haben“, erklärt sie.

„In die heile Welt zurückkehren“

Zwar ist Chile gemessen am Pro-Kopf-Einkommen das reichste Land Lateinamerikas, aber gerade in den Außenbezirken der großen Städte gebe es noch immer Familien, die auf die Unterstützung von sozialen Einrichtungen angewiesen seien, sagt Kunz. „Das macht schon nachdenklich, weil ich nach diesem Jahr einfach wieder in die heile Welt hier zurückkehren kann.“

So seien auch ihre Eltern anfangs skeptisch gewesen, ihre Tochter für so lange Zeit so weit entfernt in einem fremden Land zu wissen, „aber nach einiger Überzeugungsarbeit stehen sie jetzt voll hinter mir“, fügt sie hinzu. Und auch zur Finanzierung tragen Familienmitglieder und Bekannte bei, die monatlich einen Betrag für die Unterbringung und Verpflegung der Freiwilligen leisten.

Die gelernten Sprachkenntnisse anwenden

Während dem nun anstehenden Jahr in Concepción wird ihr nicht nur die Erfahrung bei der Arbeit mit Kindern helfen, sondern auch ihre Sprachkenntnisse. Schon jetzt spricht sie neben ihrer Muttersprache auch fließend Englisch, Französisch und Spanisch, das auch in Chile gesprochen wird. Die Sprache, so betont sie, sei mit ein Grund gewesen, weshalb sie sich für Südamerika entschieden habe. „Und ich hoffe, dass ich bei der Kinderbetreuung auch meine eigene Kreativität einbringen und vielleicht ein wenig mit ihnen musizieren kann – das hat immer eine sehr verbindende Wirkung“, sagt Kunz, die selbst Querflöte spielt.

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Ihr sei dabei wichtig, dass sie sich in diesem Jahr auch persönlich weiterentwickelt, wie sie betont: „Ziemlich sicher wird es später für mich beruflich ebenfalls in Richtung Pädagogik gehen, und da erhoffe ich mir jetzt auch ein wenig Orientierung in diesen Monaten.“ Beim Evangelisch-lutherischen Missionswerk (ELM) in Niedersachsen, das den Freiwilligendienst organisiert, wurde sie auf ihre kommenden Aufgaben und die Lebensumstände in Concepción vorbereitet.

„Eine sehr sichere Gegend“

Kriminalität war da ebenfalls ein Thema, denn wegen der vergleichsweise vielen Touristen in der Region seien gerade Diebstähle ein Problem dort, erklärt Kunz. Sie selbst sieht das aber nicht so dramatisch: „Generell ist das eine sehr sichere Gegend und man muss nicht mehr aufpassen als in einer deutschen Großstadt.“

Wenn Jeannine Kunz also am kommenden Sonntag ins Flugzeug steigt, steht ihr sicherlich eine erlebnisreiche Zeit bevor. Und ein mittlerer Temperaturschock – denn in Chile ist es jetzt gerade Winter.