Die stetig wachsende Zahl von Geflüchteten setzt den Schwarzwald-Baar-Kreis stark unter Druck. „Die Situation ist jetzt sehr angespannt“, sagt Landrat Sven Hinterseh.

Ist das Problem-Niveau inzwischen vergleichbar mit der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015? Ja, und nicht nur das, so Hinterseh: „Wir sind drüber.“ Das sei auch kein Wunder: „Wir leben ja nicht auf einer Insel. Wir leben im Jahr 2023 und haben einen Krieg in der Nähe“.

Bild 1: Wohin mit den Geflüchteten? Wachsende Zahlen setzen Landratsamt unter Druck
Bild: Schönlein, Ute

Aktuell weise das Land dem Kreis pro Monat etwa weitere 100 Menschen zu, die untergebracht werden müssten. Vor allem aus der von Russland überfallenen Ukraine suchten weiterhin viele Menschen Schutz vor Bomben und Zerstörungen.

Seit Kriegsbeginn am 24. Februar bis 31. Dezember 2022 wurden im Schwarzwald-Baar-Kreis 3659 geflüchtete Menschen aus der Ukraine registriert – wobei viele davon zwischenzeitlich in andere Landkreise fortgezogen oder sogar wieder zurück in die Ukraine gegangen sind. Dazu kommen Geflüchtete aus vielen anderen Ländern. Tendenz: steigend.

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Die Folge: Die Unterbringungsmöglichkeiten werden knapp und knapper. Händeringend sei die Kreisverwaltung derzeit auf der Suche nach weiterem Wohnraum, um all die Geflüchteten unterzubringen, so Hinterseh.

Sporthallen-Belegung bislang noch nicht nötig

Noch muss das Landratsamt auf Massenunterkünfte etwa in Turnhallen von Schulen nicht zurückgreifen – was in anderen Landkreisen längst notwendig wurde. „Wir hatten bislang noch Glück mit unseren Immobilien“, sagt Hinterseh.

„Wir leben ja nicht auf einer Insel. Wir leben im Jahr 2023 und haben einen Krieg in der Nähe“, verweist Landrat Sven ...
„Wir leben ja nicht auf einer Insel. Wir leben im Jahr 2023 und haben einen Krieg in der Nähe“, verweist Landrat Sven Hinterseh auf die Hauptursache für die anwachsenden Flüchtlingszahlen im Schwarzwald-Baar-Kreis. | Bild: Hans-Jürgen Götz

Aber die Luft wird deutlich dünner. Wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, seien die bisherigen Unterbringungsmöglichkeiten in spätestens sechs bis acht Wochen ausgeschöpft, so Hinterseh. Könnten Turnhallen für Massenunterkünfte dann doch eine Option werden? Der Landrat sagt: „Ich schließe nichts aus“.

Situation und Prognose für den Schwarzwald-Baar-Kreis

Aber noch setzt die Kreisverwaltung auf reguläre Unterkünfte – und darauf, dass sich weitere Vermieter hierfür finden. Das Landratsamt sei hierzu auch „im engen Austausch mit den Städten und Gemeinden“.

Wohnraum-Bedarf steigt auch in den Städten und Gemeinden

Apropos Städte und Gemeinden: Dort wird der Bedarf an Wohnraum für Geflüchtete mit gewissem zeitlichen Abstand ebenfalls ansteigen. „Aufgrund der Zunahme der Flüchtlingszahlen ergibt sich, dass die Anzahl der geflüchteten Personen, die nach sechs beziehungsweise zirka 18 Monaten in die Anschlussunterbringung in den Städten und Gemeinden des Landkreises untergebracht werden, sich ebenfalls erhöht“, teilt die Kreisverwaltung mit.

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Immerhin scheint das bürgerschaftliche Engagement aus den ersten Monaten nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine – anders als in anderen Regionen – im Schwarzwald-Baar-Kreis noch nicht zu bröckeln.

Während andernorts manche ukrainische Flüchtlingsfamilie eine neue Unterkunft braucht, weil sich private Helfer nicht mehr in der Lage sehen, sie weiter zu beherbergen, sind solche Fälle dem Landrat im Schwarzwald-Baar-Kreis nicht bekannt.