„Wenn wir hier nicht aufpassen, werden wieder Menschen übersehen, welche Hilfen ganz besonders benötigen.“ Antonia Berberich, Präventionsbeauftragte der Caritas, blickt skeptisch auf den Beginn der Covid-19-Impfkampagne. Dies sowohl bundesweit wie auch ganz konkret vor Ort.

Hürden erschweren die Hilfe

Was die Mitarbeiterin mit Stabsstelle Gemeindecaritas besonders stört, sind die Voraussetzungen, die den Zugang zur Hilfe erst einmal für manche völlig blockierten. „Das Muster ist ähnlich wie bei anderen Unterstützungsleistungen. Technische oder bürokratische Hürden machen das Annehmen und Abrufen der Hilfe schwer.“

Impfzentrum in Schwenningen

Wer 80 Jahre und älter ist, hat in Deutschland das erste Anrecht auf die Doppelimpfung. Im Kreis ist das Impfzentrum im Süden Schwenningens stationiert. Aber wie dorthin kommen? Und wie zuvor Kontakt aufnehmen, um ein Impfdatum zu erhalten? Es braucht wieder einmal eine „erste Hilfe“, um die eigentliche Hilfe erhalten zu können.

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„Der Start erscheint uns bislang als sehr holprig“, sagen Berberich und ihre Caritas-Kollegin Bettina Gail. Die beiden Sozialpädagoginnen wollen nicht zusehen, wie sich ältere Menschen online zum Impfen anmelden sollen, ohne einen Computer und Internet-Kenntnisse zu besitzen oder sich in Telefonwarteschleifen verheddern. Melden Betroffene sich nicht an, drohen sie vergessen zu werden. Werden sie vergessen, droht das Virus.

15.851 sind älter als 80 Jahre

Auch die Fahrt zum Impfzentrum und das dortige Warten könne zum Problem werden. „Sicherlich gibt es viele Impfberechtigte, die problemlos ans Impfzentrum fahren oder gefahren werden können“, so Berberich. Vermutlich hätten die meisten Betroffenen gut etablierte Hilfestrukturen zur Verfügung. Dem Caritas-Duo geht es allerdings um jene Menschen, die alleine sind und nicht auf Verwandte und Bekannte zählen können.

Hier sei Hilfe nötig: „Die Impfkampagne übersieht bislang diese Menschen!“ Angesichts der im Kreis lebenden 15.851 Menschen, die über 80 Jahre alt sind, geht der Caritasverband für den Schwarzwald-Baar-Kreis von etwa 475 unterstützungsbedürftigen Menschen aus.

Alleine geht es nicht

Der vom Verband nun entwickelte Plan sieht zur schnellen und wirkungsvollen Unterstützung die Einbindung und Koordination von ehrenamtlichen Kräften vor. „Alleine können wir das nicht schaffen“, so Antonia Berberich.

Mehrstufiger Plan

Sie und Caritas-Vorstandsassistentin Bettina Gail haben einen mehrstufigen Plan erarbeitet: Gesucht werden nun ehrenamtliche Kräfte, welche in der Lage sind, die Hilfebedürftigen zu unterstützen. Dies setzt bei diesen zum einen einfache Internet-Kenntnisse und einen Internetzugang voraus und möglichst auch Führerschein und eigenes Fahrzeug. Machbar sei auch die Fahrt mit dem Taxi.

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„Theoretisch möglich wäre zwar auch das Begleiten von Seniorinnen und Senioren in Bus oder Bahn“, so Berberich, allerdings könnte der Nahverkehr für viele ältere Menschen mit Umsteigen und eventuell langen Wartezeiten eine überfordernde Zumutung darstellen, womöglich sogar eine gesundheitliche Gefährdung.

Kostenloser Schnelltest

Sicher gehen will der Caritasverband bei den Ehrenamtlichen auch durch einen kostenlosen Covid-19-Schnelltest. Die negative Testung stellt die Voraussetzung für den anschließenden unmittelbaren Kontakt dar. „Die offiziellen Hygieneregeln müssten in jedem Fall eingehalten werden“, so Berberich und Gail. Vorerst ist angedacht, rund 50 ehrenamtliche Kräfte zu rekrutieren. Diese könnten einen einmaligen Einsatz leisten oder vielleicht auch sogar mehrere. Je nach Entfernung müsse man mit zwei bis sechs Stunden pro Begleitung rechnen, da neben Fahrtzeiten auch eventuelle Wartezeiten im Impfzentrum hinzukämen.

Auch Spenden sind willkommen

Der Projektaufruf des Caritas-Duos richtet sich auch an die hilfebedürftigen Seniorinnen und Senioren selbst: Wer für sich keine Möglichkeiten sieht, sich im Impfzentrum anzumelden sowie dorthin zu gelangen, könne sich telefonisch im Vorstandssekretariat des Caritasverbandes für den Schwarzwald-Baar-Kreis bei Ulrike Hake (07721/ 8407-11) melden. Die Hilfe der Caritas ist kostenlos. Mit dem Aufruf verbunden ist auch die Bitte um potenzielle finanzielle Unterstützer der Aktion.