Schwarzwald-Baar-Kreis (jdk) Wohin das Auge blickt, allenthalben beherrschen Maisfelder die landwirtschaftlichen Nutzflächen. In den letzten Jahren keimte die Erkenntnis, dass die Artenvielfalt angesichts der auf Wachstum setzenden Agrarwirtschaft stetig abnimmt. Dieses Artensterben beschäftigt nicht nur Landwirte, auch der Endverbraucher kann sich nur über saftige Äpfel und Birnen freuen, wenn im Frühjahr Insekten die Blüten bestäuben. So liegt es nahe, dass Landwirte und politisch Verantwortliche sich dieses Problems annehmen.

Der Regierungsbezirk Freiburg übernimmt hier eine landesweite Vorreiterrolle. Unter der Regie von Landwirtschaftsdirektor Klaus Mastel wurden zunächst zwei Modellbetriebe für Biodiversität ausgesucht wo konventionelle Landwirtschaft sich den Herausforderungen des Artenschutzes stellt. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer ließ es sich nicht nehmen, diese beiden Betriebe im Schwarzwald-Baar-Kreis und im Kreis Rottweil zu besuchen und sich über die ersten Erkenntnisse in Sachen Biodiversität vor Ort unterrichten zu lassen.

Königsfelds Bürgermeister Fritz Link, Martina Braun, Landrat Sven Hinterseh, Betriebinhaber Uwe und Ursual Götz, Karl Rombach sowie Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer überzeugten sich von ersten Ergebnissen ins Sachen Biodiversität beim Kombianbau Mais-Stangenbohnen. Bild: Jörg-Dieter Klatt
Königsfelds Bürgermeister Fritz Link, Martina Braun, Landrat Sven Hinterseh, Betriebinhaber Uwe und Ursual Götz, Karl Rombach sowie Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer überzeugten sich von ersten Ergebnissen ins Sachen Biodiversität beim Kombianbau Mais-Stangenbohnen. Bild: Jörg-Dieter Klatt

In Anwesenheit der Landtagsabgeordneten Martina Braun und Karl Rombach, beide selbst Landwirte, sowie Landrat Sven Hinterseh und Bürgermeister Fritz Link erläuterten Klaus Mastel und Katharina Hügel vom Regierungspräsidium Umsetzungsmöglichkeiten des Biodiversitätsgesetzes. Credo ihrer Ausführungen: „Landwirtschaft und Artenschutz sind durchaus vereinbar!“. Dabei gelte es den Spagat zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Naturschutz auszuhalten. „Dafür müssen praktikable Lösungen gefunden werden!“ Nicht ohne Stolz wies Bürgermeister Fritz Link darauf hin, dass bereits 2008 Königsfeld als eine von sechs Modellgemeinden in Sachen Biodiversität ausgewählt wurde.

Betriebsinhaber Uwe Götz mit seiner Frau Ursula betreiben auch ein Insektenhotel für Wildbienen – eine von vielen Biodiversitätsmaßnahmen auf ihrem Hof. Bild: Jörg-Dieter Klatt
Betriebsinhaber Uwe Götz mit seiner Frau Ursula betreiben auch ein Insektenhotel für Wildbienen – eine von vielen Biodiversitätsmaßnahmen auf ihrem Hof. Bild: Jörg-Dieter Klatt

Unter dem Motto „Wir wollen zeigen, was wir können!“, erläuterte Betriebsleiter Uwe Götz nicht nur sein Faible für nachhaltiges und umweltbewusstes Agrarwirtschaften sondern zeigte bei einer Feldbegehung, wie solche Maßnahmen in der Praxis aussehen. Schon sein Vater hatte mit einer Hafer-Erbsen-Wicken-Mischung das Eiweißfutter für die Kühe selbst angebaut und sich damit von externen Futtermitteln weitgehend unabhängig gemacht.

Kathrina Hügel vom RP Freiburg und Betriebsinhaber Uwe Götz vor den Altgrasstreifen, welche als Rückzugsgebiete für allerlei Getier die Artenvielfalt sichern helfen soll. Bild: Jörg-Dieter Klatt
Kathrina Hügel vom RP Freiburg und Betriebsinhaber Uwe Götz vor den Altgrasstreifen, welche als Rückzugsgebiete für allerlei Getier die Artenvielfalt sichern helfen soll. Bild: Jörg-Dieter Klatt

Sich am Mais emporrankende Stangenbohnen kannten schon die südamerikanischen Bauernvölker. Die Bohnen liefern Stickstoff für den Mais und die Blüten dienen den Bienen als Nahrungsgrundlage. Die Bohnen sind ebenfalls Eiweißlieferanten für das Vieh. Diese 10 Hektar Kombi-Anbaufläche ist bislang von Wildschweinschäden verschont geblieben. Auf einer abgemähten Wiese hat Uwe Götz mehrere Altgrasstreifen stehen lassen. Diese dienen Insekten und Kleintieren als Unterschlupf und tragen zu einem erfolgreichen Artenschutz im Umfeld konventioneller Landwirtschaft bei. Der erhöhte Aufwand soll mit Hilfe der Fördermittel aus Stuttgart ausgeglichen werden.

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