Sowohl das Handwerk als auch die Industrie suchen händeringend Auszubildende. Das ist Tenor einer Bilanz zum Ausbildungsjahr 2021, die die Handwerkskammer Konstanz, die Industrie und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg sowie die Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen zogen. Zum 14. Mal in Folge übersteige das Angebot an Ausbildungsplätzen die Nachfrage, erläuterte IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos.

Sylvia Scholz von der Agentur für Arbeit, Birgit Hakenjos und Werner Rottler ziehen eine erste Bilanz zum Ausbildungsjahr 2020/2021.
Sylvia Scholz von der Agentur für Arbeit, Birgit Hakenjos und Werner Rottler ziehen eine erste Bilanz zum Ausbildungsjahr 2020/2021. | Bild: Jörg-Dieter Klatt

Hintergrund dieser bedenklichen Entwicklung ist nicht nur der demographische Wandel. Auch der Strukturwandel und die zunehmende Digitalisierung mache den Betrieben zu schaffen. In vielen Bereichen, so Handwerkskammerpräsident Werner Rottler, nehmen Schulabgänger nicht die positiven Seiten bestimmter Berufsfelder wahr. Oftmals werde ein Berufsbild vom familiären oder sozialen Umfeld geprägt, sodass es durchaus zu Fehleinschätzungen kommt.

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Da während der Coronapandemie die dringend notwendigen Praktika nicht haben stattfinden können, mussten auf Online-Messen, Web-Seminaren oder durch Vorträge in den Schulen wichtige berufsspezifische Informationen vermittelt werden. Allein diese Maßnahmen können ein Praktikum vor Ort nicht annähernd ersetzen.

Pandemie erschwert Berufswahl

Sylvia Scholz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, beklagte ebenfalls, dass junge Menschen und die Ausbildungsbetriebe wegen der Pandemie nur schwer zueinanderfanden. Gerade wenn Schulabgänger Vorstellungen eines bestimmten Berufes haben, fehle der Check, ob Vorstellung und Wirklichkeit zueinander passen. Das führe immer wieder zu vertagten Berufswahlentscheidungen.

„Eine abgeschlossene Ausbildung ist von unschätzbarem Wert!“
Birgit Hakenjos der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

Sowohl die Handwerkskammer, als auch die IHK und die Agentur für Arbeit halten aktuell eine ganze Reihe von Maßnahmen bereit, die den Einstieg in eine berufliche Ausbildung erleichtern. Konkret stellte Berufsberater Jan Buschmann das Projekt Einstiegsqualifizierung vor. Schulabgänger können hierbei vor dem eigentlichen Ausbildungsstart ein längeres Praktikum in dem von ihnen gewählten Berufsfeld absolvieren. Zwischen sechs und zwölf Monate dauert diese Maßnahme und wird auch vergütet. Darüber hinaus unterliegt sie der Sozialversicherungspflicht. Werden entsprechende Leistungen in der Berufsschule erbracht, kann das Praktikum gar auf die Lehrzeit angerechnet werden.

Die Bestatterin Cordula Schwarzwälder (links) und die Auszubildende Fabienne Schweizer sind froh, dass sie über das Programm Einstiegsqualifizierung zu einem Lehrvertrag gekommen sind.
Die Bestatterin Cordula Schwarzwälder (links) und die Auszubildende Fabienne Schweizer sind froh, dass sie über das Programm Einstiegsqualifizierung zu einem Lehrvertrag gekommen sind. | Bild: Schwarzwälder

Über Video waren Fabienne Schweizer, die sich zur Bestatterin ausbilden lässt, neben Unternehmensinhaberin Cordula Schwarzwälder der Pressekonferenz zugeschaltet. Die Auszubildende hatte vor Lehrbeginn diese Einstiegsqualifizierung in Anspruch genommen und dabei wertvolle Erfahrungen über den Beruf des Bestatters machen können. „Ich bin froh, dass ich dieses Praktikum machen konnte. So hatte ich noch vor Beginn der Lehre ein klares Bild, was auf mich zukommt“, so die Auszubildende.

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Derartige längerfristige Praktika können auch Ausbildungsabbrüche verhindern helfen. Sollte es während der Ausbildung doch zu Schwierigkeiten kommen, bieten IHK und auch die Handwerkskammer Hilfsprogramme an, damit die Ausbildung zu Ende geführt werden kann. „Eine abgeschlossene Ausbildung ist von unschätzbarem Wert“, erklärte Birgit Hakenjos von der IHK.