Die Energiewende ist nur mit deutlich mehr Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen (PV) zu schaffen, da sind sich alle einige. Spätestens seit dem Antritt der neuen Bundesregierung nehmen diese Themen nun wieder deutlich Fahrt auf.

„Geeignete Dächer gibt es zwar genug, aber zu hohe Kosten für deren Anmietung und beim Aufbau solcher Anlagen stehen einer ständig sinkenden Einspeisevergütung konträr gegenüber, von einer attraktiven Rendite ganz zu schweigen.“
Felix Duffner, Vorstandsmitglied Energie-Wende

Die Finanzierungsmöglichkeiten solcher Anlagen sind vielfältig. Der SÜDKURIER hat sich das Thema „Bürgerbeteiligung“ bei PV-Anlagen im Kreisgebiet etwas näher angesehen. Solche Beteiligungsmöglichkeiten erhöhen die Akzeptanz entsprechender Anlagen und ermöglichen es den Bürgern mit ihrem Geld einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, eine entsprechende Rendite inklusive.

In Zeiten von Negativzinsen überlegt sich so mancher, ob und wie man auch gewinnbringend in das Thema Nachhaltigkeit investieren kann. Das sieht auch Martina Braun so. Als Mitglied der Grünen im Landtag beschäftigt sie sich auch mit solchen Themen. Auf ihrem Bauernhof in Linach betreibt sie nicht nur eine eigene PV-Anlage, sondern unterstützt auch Bürgerbeteiligungsprojekte in der Region.

Martina Braun, Mitglied des Landtages Baden Württemberg (Bündnis 90/Die Grünen) erzeugt den Strom für ihren Bauernhof über eine eigene ...
Martina Braun, Mitglied des Landtages Baden Württemberg (Bündnis 90/Die Grünen) erzeugt den Strom für ihren Bauernhof über eine eigene PV-Anlage auf dem Dach. In ihrer politischen Arbeit unterstützt sie das Engagement der Vereine und Genossenschaften die mittels Bürgerbeteiligung PV-Anlagen in der Region aufbauen wollen. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Nun sollte man meinen, dass es solche Beteiligungsmöglichkeiten zuhauf gibt, aber weit gefehlt. Man muss schon eine ganze Weile suchen, um entsprechende Projekte zu finden, zumindest im Schwarzwald-Baar-Kreis. Entweder sind es bereits installierte und damit voll durchfinanzierte Anlagen oder es handelt sich um Projekt-Ideen, die aber noch nicht umsetzbar sind.

Zwei Anlagen am Autobahnkreuz

Eine der Beteiligungsmöglichkeiten besteht bei der Genossenschaft Bürger-Energie Schwarzwald-Baar. Diese realisiert große Freiland-Anlagen mit mehreren Megawatt Leistung. Zwei davon stehen beim Autobahnkreuz Bad Dürrheim.

Gerne würde die Genossenschaft noch weitere Freilandanlagen bauen, allerdings fehlt es an geeigneten Flächen. Außerdem machen die aktuell geltenden gesetzlichen Auflagen solche Bauvorhaben immer komplizierter, langfristiger und teurer.

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Vor allem das EEG (Erneuerbare Energien-Gesetz) steht hier im Mittelpunkt der Kritik. Mit seiner Novellierung im Jahre 2011 wurden nicht nur die Rahmenbedingungen für Bürgerbeteiligungsmodelle erschwert, sondern vor allem auch die möglichen Netz-Einspeisevergütungen drastisch verschlechtert, was eigentlich unverständlich bei stetig steigenden Strompreisen für den Endverbraucher und dem steigenden Bedarf an klimaneutralen Energien ist.

Konzentration auf Dächer

So konzentriert sich der Verein aktuell vor allem auf den Ausbau von Dach-Anlagen. Eine davon befindet sich auch auf dem Gebäude des Umweltzentrums in der Schwenninger Neckarstraße. Solche Anlagen rentieren sich vor allem immer dann, wenn der dort erzeugte Strom gleich vor Ort auch wieder verbraucht werden kann.

Interessierte Bürger können sich an den neuen Anlagen der Genossenschaft durch eine entsprechende Einlage beteiligen. Diese fängt bei 500 Euro an, kann aber auch in den 10.000-er Euro Bereich gehen.

Felix Duffner ist im Vorstand des Vereins „Energie-Wende“ und fördert bereits seit einigen Jahren diverse Projekte im ...
Felix Duffner ist im Vorstand des Vereins „Energie-Wende“ und fördert bereits seit einigen Jahren diverse Projekte im Bereich erneuerbarer Energien. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Einen ähnlichen Weg geht der Verein Energiewende in Furtwangen. Hier können Interessierte ebenfalls Mitglied werden. Über diese Mitgliedsbeiträge unterstützt der Verein dann entsprechende Projekte der Energie-Wende Bregtal.

Auf diesem Weg finanziert der Verein nicht nur PV-Anlagen, sondern auch Windkraft-Anlagen und Blockheizkraftwerke. Aktuell geht in den kommenden Wochen eine neue PV-Anlage auf dem Dach des Gemeindehauses in Königsfeld-Weiler in Betrieb.

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Vorstandsmitglied Felix Duffner würde auch gerne mehr PV-Anlagen auf geeigneten Dächern realisieren, gäbe es ein entsprechendes Angebot im Markt. „Geeignete Dächer gibt es zwar genug, aber zu hohe Kosten für deren Anmietung und beim Aufbau solcher Anlagen stehen einer ständig sinkenden Einspeisevergütung konträr gegenüber, von einer attraktiven Rendite ganz zu schweigen“, so Duffner.

Diese neue Photovoltaik-Anlage hat die Energie-Wende Bregtal über den Verein Energie-Wende in Furtwangen finanziert und auf dem Dach des ...
Diese neue Photovoltaik-Anlage hat die Energie-Wende Bregtal über den Verein Energie-Wende in Furtwangen finanziert und auf dem Dach des Gemeindehauses in Königsfeld-Weiler installiert. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Interessant werde es aber, wenn nun auch der Schwarzwald-Baar Kreis und die Kommunen Zusehendes über neue PV-Anlagen nachdenken. So plant die Stadt Villingen-Schwenningen eine große Freilandanlage im Bereich der ehemaligen Mülldeponie im Villinger Süden.

Von einem konkret umsetzbaren Plan ist man noch weit entfernt. Und so steht dort das Thema einer möglichen Bürgerbeteiligung auch noch nicht zur Debatte. Wenn man sich aber so hinter den Kulissen etwas umhört, hat man aktuell nicht den Eindruck, dass dies eine der präferierten Optionen sein könnte.

Dabei wäre genau das eigentlich der Schlüssel zu einer größeren Akzeptanz und Unterstützung seitens der Bürgerschaft. Hier formieren sich ja bereits erste Gegner dieses Projektes.

Große Hoffnungen liegen auch bei der neuen Bundesregierung. Die ist gefordert, das EEG komplett zu überarbeiten und neu aufzustellen. Wenn das nicht geschieht, haben auch die vielen kleinen, aber feinen Bürgerbeteiligungsmodelle kaum Wachstumschancen.